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Hommage an den Lamer Winkel

entnommen aus dem Buch "Zwischen Arber und Osser" von Ulrich Winkler
Rechte: Morsak Verlag GmbH, Grafenau
(mit freundlicher Genehmigung des Morsak-Verlags)
(das Buch erschien 1981 und ist inzwischen vergriffen)


Zwischen Arber und Osser erstreckt sich eine der schönsten
Natur- und Kulturlandschaften des Bayerischen Waldes,
für die sich der Name "Lamer Winkel" eingebürgert hat.

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Hufeisenförmig rahmen den Lamer Winkel eindrucksvolle Mittelgebirgszüge ein. Im Nordosten schließt den Winkel das Künische Gebirge ab, das nach den Künischen Freibauern benannt ist, die jenseits des die Grenze zwischen Bayern und Böhmen bildenden Gebirges, im Angeltal saßen. Die Künischen Freibauern waren bayerische Bauern, die auf Initiative der Grafen von Bogen schon im 12. Jahrhundert von Furth und Neukirchen aus in den endlosen Wäldern Böhmens zwischen Neuern und Schüttenhofen siedelten. Im Süden und im Westen begrenzt den Lamer Winkel der Arber-Kaitersberg-Zug, an dem einer der schönsten Wanderwege des Bayerischen Waldes in Höhen zwischen 1100 m und 1300 m entlang führt mit herrlichen Aussichten bald in das Lamer - und bald in das Zellertal. Beide Mittelgebirgszüge zeigen deutlich das herzynische Streichen, eine Anordnung der Gebirgskämme in NW SO Richtung, die für den Bayerischen Wald typisch ist. Den südöstlichen Abschluß des Lamer Winkels bilden keilförmig die Nordflanke des Großen Arbers und die Ausläufer des Zwerchecks mit über 1150 m hohen Berggipfeln. Zwischen Arber und Zwercheck befinden sich zwei Sättel: der Scheibensattel, über den früher der Weg nach Eisenstein und Böhmen ging, und der Brennessattel, über den in 1033 m Höhe heute die Verbindungsstraßen vom Zwieseler Winkel in den Lamer Winkel führen.
Parallel zum Künischen Gebirge und zum Arber Kaitersberg Zug, fließt in der ca. 600 m tiefer gelegenen Talmulde der Weiße Regen; er entsteht aus dem Zusammenfluss des Ebenbaches, der ursprünglich das "Regenpachergsprenng" hieß, was soviel bedeutet wie Ursprung des Regenbaches, mit dem Seebach, der aus dem Kleinen Arbersee kommt. Genau in Nord Süd Richtung wie der Seebach stürzen reißende Bäche vom Arber- und Kaitersberg-Zug aus Höhen um 1050 - 1100 m herab in den Weißen Regen: der Sollbach, der Steinbach und der Bramersbach. Zwischen deren tief eingeschnittenen, schluchtartigen V-Tälern ziehen langgestreckte Bergrücken bis in das Regental hinab: der Spitz- und Sollberg, der Schneiderberg und das Hörndl. Die Dörfer und größeren Orte liegen an den Hügeln und sanften Hängen im Regental, so am Eingang zum Lamer Winkel Engelshütt, der älteste Glashüttenort des Winkels, dann Buchetbühl und Frahels und mit fast 3000 Einwohnern der Hauptort Lam, der dem Winkel seinen Namen gab. Der nächstgrößere Ort ist Lohberg, Mittelpunkt einer der größten bäuerlichen Waldgemeinden Bayerns. ...
Ist der Arber mit seinem abgerundeten Gipfel aus blanken Gneisfelsen unbestritten der höchste und mächtigste Berg des Bayerischen Waldes, so sehen viele Naturfreunde im Kleinen Osser mit seiner 1266 m hochragenden Felsspitze den schroffsten und eindrucksvollsten Berg des Lamer Winkels. Über einem Sattel schwingt sich das Künische Gebirge hinauf zum Felsgrat des Großen Ossers. Auf dem langgezogenen Gebirgskamm des Künischen Gebirges zwischen dem Osser und Zwercheck verläuft die seit jeher bestehende und nie bestrittene Grenze zwischen Bayern und Böhmen, zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der CSSR. Auf diesem Kamm liegt auch die europäische Hauptwasserscheide, die vom Zwercheck bis zur Seewand geht und dann zum Spitzberg abbiegt. Beiderseits der Seewand liegen in Höhen von über 1000 m die schönsten Seen Böhmens, knapp 2 km voneinander entfernt: der Schwarze See, der über die Angel zur Elbe und zur Nordsee, und der Teufelsee, der zum Großen Regen, zur Donau und zum Schwarzen Meer entwässert. Vom Zwercheck über den Spitzberg und Panzer, auf der Wasserscheide also, verläuft die im bayerisch böhmischen Grenzstreit von 1569 bis 1764 von Bayern behauptete Grenze nach der uralten Regel aller Landesgrenzen: "Die Grenze sei allerorten, wie Kugel walzt und Wasser rinnt!" Während das Künische Gebirge aus relativ hartem Quarzit und Glimmerschiefern besteht, die im Tal in weichere Glimmergneise übergehen, bilden den Arber-Kaitersberg-Zug harte und sehr verwitterungsbeständige Cordieritgneise. Wenn man auch in der Landschaft keine genaue Grenze zwischen allen den Lamer Winkel aufbauenden Gesteinsserien ziehen kann, da sie fließend ineinander übergehen und auf engem Raum sogar oft wechselgelagert sind, so lassen sich in der Überschau des Gebietes doch markante Unterschiede feststellen, die dem Lamer Winkel sein typisches Gepräge geben. So finden wir im ganzen Arber-Kaitersberg-Zug keinen dem Osser vergleichbaren Berg. Abgerundete Kuppen geben diesem Gebirgszug das Gepräge: der Große Arber (1456 m), der Kleine Arber (1384 m), der Enzian (1285 m), die Heugstatt (1261 m) und der Mühlriegel (1080 m). Nur das Schwarzeck (1238 m) mit seinem langgezogenen Felsgrat bildet eine Ausnahme.






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