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Fürstenzeche: Montanhistorie unterm Osser

Artikel aus der Chamer Zeitung vom 02.09.2006, von Jasmin Brandl
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Wolfgang Reimer)



Die Ursprünge der Lamer Bergwerksgeschichte lassen
sich auf das 16. Jahrhundert datieren

Von Jasmin Brandl. Lam. Dunkel ist es da unten, ziemlich kalt und feucht. Ein rundum ungemütlicher Ort - auf den ersten Blick. Dennoch zählt die Fürstenzeche in Lam mit zu den beliebtesten Ausflugszielen im Bayerischen Wald. Die Geschichte der Fürstenzeche lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Jahre 1463 erhielt der Neurandsberger Hans Swanser durch die Herzöge Johann und Sigismund von Bayern das königliche Recht erteilt, "in unserem Land in der Lamm an einem Berg, genant der Loperg", so lautet der Originaltext, nach Silber und Gold zu graben. St.- Oswald- Fundgrube nannte sich der Schacht damals noch. Wohl musste die anfängliche Ausbeute an Erzen und Metallen vielversprechend gewesen sein, denn "binnen eines halben Jahres entstanden in der näheren Umgebung gleich vier weitere Gruben", erklärt der heutige Bergwerksbesitzer und Hobby- Montanhistoriker Thomas Obermüller. Der Silber- , Kupfer- und Bleiabbau entwickelte sich im folgenden Jahrhundert recht prächtig, und zwar so gut, dass schon 1521 eine umfangreiche Bergordnung erlassen wurde, die in 103 Artikeln den Betrieb der Lamer Gruben und Schmelz Hütten regelte. Das alleine spricht schon für die Wichtigkeit der Gruben, denn Rechtsnormen auf Papier festzuhalten war eine Seltenheit in diesem schriftlosen Zeitalter. Die bayerischen Herzöge Wilhelm und Ludwig von Bayern förderten die Bergbauentwicklung der Region nach Möglichkeit. So erließen sie noch im Jahr darauf einen Brief, der den Bergwerk umliegenden Orten besondere Freiheitsrechte zugestand, wie etwa das freie Zu- und Abzugsrecht von Arbeitern, das Schlagen von Holz in den Wäldern sowie unter anderem das Privileg der Steuer- , Gült- und Scharwerksfreiheit. Auch wurden fortan "Pürgermeister, Richter und Rat" installiert. Lam wurde Gefreite Bergstadt mit einem wöchentlichen Markt, freier Zufuhr, freiem Gewerbe, Wildbann und dem Recht, im Arbersee zu fischen. Mit diesen Prämissen hätte sich der Lamer Winkel gut und gerne zu einem bayerischen Ruhrpott entwickeln können, aber die Dinge nahmen einen anderen Lauf. Der privat betriebene Bergbau endete nämlich mit dem Jahre 1545, dann gingen sowohl die St.- Oswald- Grube als auch die nahe gelegene St.- Johannes- Grube in den Besitz von Herzog Wilhelm über, der die Zechen auf eigene Rechnung betrieb. Das Ergebnis war, dass die Bergleute von einem Jahr auf das andere statt der vorherigen 600 Kilogramm Silber nur noch drei Kilogramm förderten. Zu der Zeit erhielt die Grube auch den Namen "Fürstenzeche", den sie noch heute trägt. Zuerst wurden die Fördereinbußen auf die veraltete Technik zurückgeführt, die man deshalb erneuerte, aber weil das Unternehmen weiterhin defizitär blieb, schloss Albrecht V. die Grube. In der Folgezeit gab es mehrere Versuche, die alte Grube erneut zu öffnen, die jedoch alle an zu geringem Kapital oder zu viel Wasserzufluss scheiterten. Ein groß angelegtes Projekt unter der Regierung Maximilian I. und mit Hilfe von fuggerischen Geldmitteln, das vielversprechend angepackt wurde, machte alsbald der 30- jährige Krieg zunichte. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts gelang es wieder, wirtschaftlich Silber, Kupfer und Blei in Lam zu fördern. Aber auch dann stellten sich mit zunehmender fördertiefe wieder Probleme mit dem Zufluss von Wasser unter dem Osser ein. In einer Tiefe von 90 Metern war Schluss mit der Wirtschaftlichkeit. Eine neue ära begann erst mit dem Jahr 1928, als der Regensburger Bergbauingenieur Arthur Naaf auf Flussspat umsattelte und anfing, die jahrhundertealten Abraumhalden umzukuttern. 40 Tonnen reinster Flussspat konnten so pro Woche gewonnen werden. Als sich diese Quelle nach einiger Zeit erschöpfte, sorgte ein Abbau im Schacht erneut für ein finanzielles Desaster. So wie auch ein Jahrzehnt später bei einem vom Goldfieber gepackten Lamer Landwirt, der sich von einem Wünschelrutengänger dazu verleiten ließ, nach dem Edelmetall zu graben. Vergebens. Das letzte bergbauliche Unternehmen wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von der Gesellschaft zur Aufsuchung von Bodenschätzen in Bayern (GAB) unternommen. "Die offizielle Version lautete, dass man auf der Suche nach Flussspatvorkommen sei, inoffiziell aber suchte man nach Uran", erzählt Thomas Obermüller. Bislang unentdeckte mittelalterliche Schächte, immense Kosten der Wasserhaltung und zu geringe Ausbeute sorgten dafür, dass der Betrieb am 27. April 1962 endgültig eingestellt und die Grubenzugänge versperrt wurden.





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