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Der Bergbau im Lamer Winkel hat eine jahrhundertelange Geschichte

Artikel aus der Chamer Zeitung vom 09.06.2007, von Otto Neidhardt
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Wolfgang Reimer)



Noch heute finden sich im Gelände Spuren von Gruben und Stollen

Von Otto Neidhardt. Lam. Lange vor der Besiedlung des Lamer Winkels wurde in den Bächen nach Gold, Silber und wertvollen Erzen gesucht. Am Oberlauf der Bäche Lambach, KastlMühlbach und Silberbach entstanden die ersten Gruben, wie die Bergwerke früher genannt wurden. Die Ortschaft Silbersbach hat nicht umsonst als eine der ältesten Siedlungen des Klosters Rott am Inn seinen Namen von reichlichen Silberfunden erhalten und so dürfte das dortige Bergwerk auch das älteste im Lamer Winkel sein, denn 1436 verliehen die Herzöge Johann und Sigmund von Bayern "dem Finder eines Silbererzes...in der Lamm an einem Berg, genannt Loperg" das Bergwerksrecht. Man bezweifelte zwar, dass es in Silbersbach ein Bergwerk gegeben habe, doch als 1976 der Gutsbesitzer Sepp Schreiner (Osserhotel) nahe beim Bauernhof ein Austraghaus für seine Schwester Anna baute, stürzte der Bagger in einen uralten, nur flach unter der Erdoberfläche verlaufenden mannshohen Stollen, der Richtung Osser verlief und nur am Eingang zugeschüttet und verwachsen war. Der Baggerführer Paul Sperl hatte den Mut, in diesen Stollen zu gehen. Er berichtete, dass der Stollen fast 500 Meter flach verlaufend bis etwa zur Schreinerkapelle verlief, sich dort teilte und der linke Teil weiter Richtung Buchet (Fürstenzeche) fortsetzte, während er den rechten Teil nicht erforschen mochte. Er berichtete auch, dass der Stollen schulterhoch in Mannsbreite aufgebrochen war, während für den Kopf auf die ganze Länge nur ein viel schmälerer Aufbruch zur Verfügung stand, dass er aber aufrecht darin gehen konnte und dass kein Wasser im Stollen war. Den Eingang zu diesem Stollen hat man aus Sicherheitsgründen wieder zugeschüttet, aber der jetzige Bauer und Hotelier Siegfried Freymuth berichtet, dass im Frühjahr bei Schneeschmelze und starkem Regen in der Nähe der Zuschüttung Wasser in Springbrunnen aus der Erde schießt und er regelmäßig den darüber hinwegführenden Weg wieder befestigen muss. Dass Goldnuggets in Größerer Menge am Hörndl in Lohberg Gefunden wurden, beweist eine Niederschrift einer Gerichtsverhandlung vor dem Landrichter, die Andreas Gabrys besaß. Danach hatten die Hüttenherren Klingseisen und Schmauß, die gemeinsam die reichen Vorkommen von glasartig reinem Quarz und edelstem Feldspat im Tagbau abbauen ließen und richtigen Raubbau betrieben, einen Hauer verklagt, weil er Gold schwarz verkaufte, um seine kinderreiche Familie ernähren zu können. Der Angeklagte verteidigte sich indem er sagte: "Die anderen tun das ja auch!". Am Hörndl fand man auch große Turmaline, ein schwarzer Kristall, der wegen seiner flächenreichen Struktur eifrig gesammelt wurde. Heute noch findet man nicht nur in den Mineraliensammlungen in aller Welt Turmaline vom Hörndl, sondern auch in den Abraumhalden der Bergwerke. Am Hörndl wurde von 1789 bis 1833 Quarz für die Lohberger Hütte gebrochen. Bergmännisch Gefördert wurde Quarz und Feldspat (den man als Flussmittel zur Porzellanherstellung und als Zahnersatz brauchte) auch in 1 150 Meter Höhe am Schwarzeck in der "Hirschengrube" von 1895 bis 1907. 1938 begann der Wirt vom heutigen Hotel zum Hirschen in Lam, Georg Sperl, in dessen Wald sich das Bergwerk befindet, wieder mit dem Abbau von Feldspat. Dieser wurde nach Wunsiedel verkauft und dort gemahlen. Der hochwertige, glasklare Quarz ging nach Trostberg und Pocking zur Herstellung von Silumin, mit dem man Aluminium legierte, um damit ein besonders festes, korrosionsfreies Material für den Flugzeugbau zu produzieren. Die Hirschengrube wurde senkrecht nach unten getäuft und über eine Haspel wurde das Abbaumaterial in Eimern nach oben befördert. über einen Seitenschacht und Leitern konnten die Arbeiter das Bergwerk befahren. Die Grube hat die Form wie ein halb Gefüllter, nach unten hängender Luftballon, dessen Blase durch Sprengungen immer Größer und tiefer wurde. Trotzdem war der Abbau nicht nur wegen des eineinhalbstündigen Anmarsches - die Arbeiter blieben die ganze Woche in einer Hütte vor Ort, brauchten aber Samstag und Sonntag nicht zu arbeiten - und den schwierigen Abfuhrbedingungen unrentabel, sondern auch weil von Skandinavien günstigere Rohstoffe beschafft werden konnten. So wurde der Bergbau, der während des 2. Weltkrieges unterbrochen war, nach dem Tod des Hirschenwirtes 1957 wieder eingestellt und erst in jüngerer Zeit abgesichert, so dass nur noch die Fledermäuse, denen man einen eigenen Zugang schaffte, dort eine Bleibe haben. In Lahmeck und auf dem Dachsberg wurde vor 1476 auch schon geschürft, denn in diesem Jahr erteilte Herzog Albrecht IV. von Landshut, der Sohn aus zweiter Ehe des mit der Agnes Bernauer verheirateten Herzog Albrecht III., die Erlaubnis, eine schon "verlegene" Grube wieder zu heben. Dabei dürfte es sich um die in Schmelz gelegene Johanneszeche gehandelt haben, die einen der längsten Vortriebe hat und 1693 nach häufigem Auf und Ab bergmännisch ausgebaut wurde. Auf der gegenüberliegenden Talseite hat man im heutigen Anwesen Zelzer einen Erkundungsstollen Richtung Hohenbogen vorgetrieben, der sich nach ca. 120 Meter teilt und in zwei Arme geteilt nochmals geschätzte 80 Meter verlängert. Hier wurde Schwefel- und Magnetkies Gefördert. Die 1927 durch Landesgesetz gegründete Berg- , Hütten- und Salzwerke AG, die auch das Bergwerk in Bodenmais betrieb, berichtet vom Abbau von 2 600 Tonnen Erz in der Zeit von 1918 bis 1920. Aufschlussarbeiten der linsenförmigen Lagerstätten in den Kriegsjahren 1943/44 brachten noch einmal 2300 Tonnen Erz, aber kein Uran, das man suchte. Wegen der außerordentlich starken Magnetfelder im Bereich zwischen Himmelreich und Bergkircherl vermuten Bergbauexperten heute noch die Lagerstätte von etwa einer halben Million Tonnen Eisenerz. Dort gab es auch zwei Bergwerke, eines mit einem Göppelschacht hinter dem Wirtshaus auf Maria Hilf, dessen Grube mit Abfall zugeschüttet ist und eines etwa zehn Gehminuten vom Bergkirchl entfernt im Wald des Josef Bergmann von Himmelreich. Hier wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit bescheidenen Mitteln Bergbau betrieben, allerdings "am unschicklichsten Ort", wie es seinerzeit Bergrat Flurl ausdrückte. Eine erwähnenswerte Grube befindet sich noch im Bereich des Bergbauernhofes Pfeffer in Ottmannszell und über das wichtigste Bergwerk des Lamer Winkels, die "Fürstenzeche", wird im zweiten Teil berichtet.







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