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Die Beckenhöhle

entnommen aus der Festschrift zur Gerätehauseinweihung FFW Geigant am 19. - 22. Juni 1987
Die Beckenhöhle, Autor: Dr. Franz Prögler

Auf der Südseite des Zwirenzelberges an der Hotel/Pension "Ramona" vorbei, führt ein Pfad steil hinauf zur Beckenhöhle. Die letzten Meter sind schwer erklimmbares Felsengestein. Ganz oben befindet sich der Eingang zur Höhle. Dieser ist zum Teil verschüttet.
Vor Jahren war sie noch zugänglich, bis "jugendlicher Leichtsinn " dort eine gefundene Sprengladung anbrachte. Die Höhe selbst ist drei Meter breit und 4,5 Meter tief. Nach zwei Metern vom Eingang aus kommt eine Stufe von 60cm und dann geht es weiter ins Höhleninnere. Eine aus Steinen erbaute Feuerstelle mit Asche und Holzkohlenresten und ein verrostetes Bettgestell sind die Reste der Einrichtung. Hier hat der Räuber Beck mit einem Weib gehaust und seine Raubzüge in die Umgebung unternommen. Beck stammte aus Herzogau, die Herkunft seiner Gefährtin konnte nicht ermittelt werden. Der Gastwirt und Bauer "Beim Feichten" in Moosdorf war sein Komplice, namens Michl Ertl. Dieser hat am 26. Oktober 1838 den Hof und die Gastwirtschaft von seinem Vater Wolfgang Ertl gegen eine Abfindungssumme von 2000 fl für die anderen Geschwister übernommen. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Johann Eisenreich den Hof am 26. April 1879 erworben hat. Dieser war der letzte Eigentümer der Höhensiedlung "Sonnenhof" in Herzogau. Seit dieser Zeit heißt das Anwesen nicht mehr beim Feichten, sondern "Sunnbauer", Sonnenbauer zur Erinnerung an den aufgegebenen Sonnenhof. Die Straße von Waldmünchen nach Furth im Wald führte früher über Moosdorf und Lengau. Unmittelbar hinter Moosdorf befindet sich auch heute noch ein steil aufwärtsführender Hohlweg. Die Fuhrwerksleute kehrten beim "Feichtenwirt" ein und Fütterten ihre Pferde. Die Moosdorfbauern hatten damals Ochsen und leisteten Vorspann. Der Wirt war demnach über jede Ladung, die durch Moosdorf kam, bestens im Bilde. Mit seinem Kumpel Beck überfiel er die Fahrzeuge im Hohlweg und versteckte die Beute in, der "Feichtenhöhle" bei seinem Anwesen. Es ging lange gut. Auch manches Schaf oder Gänslein verschwand spurlos in der Gegend und kein Mensch ahnte, wohin sie gewandert waren. Als Beck bei einem Raubüberfall erkannt wurde, mußte er aus Herzogau verschwinden. Von der Zeit ist die Höhle am Zwirenzelberg sein Unterschlupf geworden. In der Feichtenhöhle, auch Feichtenkeller, wurde oft vergebens nach dem Räuberschatz gesucht, der bestimmt nicht vorhanden war, wenigstens hier nicht. Ein Förster beobachtete öfter eine Frau, die Wasser zum Berggipfel hinaufschleppte. Als er eines Tages auch Rauch aus dem Gipfel aufsteigen sah, Schöpfte er Verdacht und verständigte die Gendarmerie. Gemeinsam mit dem Forstpersonal umzingelten sie den Berg von allen Seiten hinan. Beck kam aus der Höhle und wollte fliehen, wurde aber angeschossen und Gefangen. Er wurde auf einer Bahre in das Krankenhaus nach Waldmünchen gebracht. Beck und Feicht, der offensichtlich verraten wurde, wanderten auf Jahre ins Zuchthaus nach Amberg. Gerichtsakten sind leider keine mehr vorhanden. Beck starb dort, aber Feicht kam wieder zurück und hat 1879 sein Anwesen verkaufen müssen.



Hinweis von waldberge.de:
Die Höhle ist heute nicht mehr vorhanden, bzw. komplett verschüttet.
Sieht man sich vor Ort genauer um, erkennt man nur noch zwei kleinere Löcher und
die bereits bewachsene Halde, welche von der Sprengung herrührt.







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