Home>Zwirenzel und Umgebung

Jägersteige am Hiener
Ausschnitte aus dem Artikel: Auf einsamen Bergpfaden um das Bayerische Meran
aus der Chamer Zeitung vom 27.09.2005, von Rudi Simeth
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Karl Reitmeier)



...
Gut erschlossen sind die weiten Wälder mit gepflegten Forststraßen. Lange vor dieser modernen Erschließung sind aber die Waldabteilungen durch schmale Forststeige untereinander verbunden worden. Die Steige sind oft wie Gebirgspfade angelegt. Besonders an den quer zum Hang steil hinaufziehenden Felsriegeln nahe der Roßhofstraße im Westen und unterm Hüttenriegel oder Baumfels im Nordosten von Gleißenberg. Johann Plötz, vulgo Wonga Hans aus Gleißenberg gab bereitwillig Auskunft über Entstehung und Bedeutung dieser auch Jägersteige genannten Pfade. Als gebürtiger Roßhofer war er von 1942 bis 1984 im Geiganter Revier als Forstwirt beschäftigt. Er konnte berichten, dass zu den besten Zeiten an die achtzig Forstarbeiter in den weiten Wäldern des über 1000 Hektar großen Geiganter Reviers Arbeit fanden. An einem Steig der von der Forststraße zum Roßhof abzweigt, findet man nach gut 300 m einen Felsquader mit der eingemeißelten Jahreszahl 1921. Die Vielzahl der Arbeitskräfte und die schlechte Zeit nach dem verlorenen Weltkrieg mögen wohl mit ausschlaggebend für den großen handwerklichen Einsatz bei der Entstehung dieser Wege gewesen sein. Handwerkszeug waren Schaufel, Pickel, Steinschlegel und Brecheisen. Die Steige sind einen Meter breit. Auf der Talseite oft kunstvoll mit passenden Steinen befestigt und bei notwendigem Ausweichen von Felsen auch mit Treppenstufen versehen. Die Steige verlaufen aber größtenteils auf gleicher Höhe, damit die einzelnen Waldabteilungen schnellen Schrittes erreicht werden konnten. Da die Förster oft gleichzeitig auch Jäger waren, mussten die Jägersteige alljährlich vom Laub befreit werden, damit ein geräuschloser Pirschgang ermöglicht wurde. In der Nähe des Roßhofs war auch das "steinerne Kircherl, eine überhängende Felsformation, in der die Waldarbeiter bei starkem Regen und Gewittern Zuflucht suchen konnten. Der Torfelsen an einer besonders schönen Stelle des Steiges ist heute ein beliebtes Klettergebiet der Further Bergwacht, aber auch von eingeweihten Kletterfreunden von weit her. ...
Heutzutage haben all diese Wege und Steige keine wirtschaftliche Bedeutung mehr und sind in flachen Waldstücken kaum mehr aufzuspüren.
...


rot markiert der Verlauf des ehemaligen Jägersteigs:



Vorderer und Hinterer Hiener (2004)
© Landesvermessungsamt Bayern, TK 1:25.000.
© MagicMaps GmbH, Bayern 3D. Das interaktive Kartenwerk