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Hoener - eine verschollene Ortschaft
entnommen einem Aufsatzes der Festschrift für Prof. Dr. Hans Hehn
in den Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München (1968)
von Prof Dr. Dietrich Manske
(mit freundlicher Genehmigung des Autors)



Zur Frage der Höhensiedlungen im südöstlichen Oberpfälzer Wald

Da für die frühen Wüstungen die Überlieferung nicht allzu reich ist, müssen auch die ehemaligen Talsiedlungen, soweit sie zur Klärung beitragen können, herangezogen werden. Das Problem bei ihnen ist nicht so sehr das "Wann"... ...viel fraglicher ist, wo diese Orte gelegen haben. ...
Auch die Lage der Ortschaft Hoener kann auf diese Weise in etwa erschlossen werden, da noch heute zwei Bergrücken (Vorderer und Hinterer Hiener) den Namen enthalten und südlich Gleißenberg ein Gewässer Hühnerbach heißt. Zudem wird eine Ackerflur NW Gleissenberg "Hennenäcker" genannt, was aber auch darauf zurückzuführen sein könnte, daß von diesen Äckern ein Hühnerzehent dem Pflegamt zu reichen war.
Zwar besagt die Amtsrechnung vom Jahre 1558/59 (R3), daß die Gemeinde Gleißenberg "... von ainer od Honnern genantt" 5 Gulden und 5 Schilling an das Pflegamt zinst. Schon 1510 heißt es, daß ein Hofbsitzer von Gleißenberg dem Pfleger von Waldmünchen den Zehent von "... Huenern dem öden Wißmat..." schuldig geblieben ist. Doch weiter ist kein Hinweis enthalten, der eine genaue Lokalisation erlaubte. Offensichtlich lag der Ort innerhalb der Gemarkung Gleißenberg, aber wo?
Auch die Rechnung von 1584/85 (R4), bei der die Flur der Ode unter die Gleißenberger Bauern aufgeteilt erscheint (ebenso in R5 vom Jahre 1597/98), enthält keinen Anhaltspunkt.
Die Flurpläne von Gleißenberg bieten zwar ebenso wie die Karte 1 : 25000 von Bayern mehrere Flurnamen, in denen der alte Ortsname steckt (siehe oben), doch liegen die damit bezeichneten Flurbezirke so weit auseinander, werden auch vom Ort Gleißenberg z.T. getrennt, daß damit weinig Anhalt gewonnen werden kann. Topographisch wäre der günstigste Platz für eine Agrarsiedlung bei Gleißenberg das Tal des oberen Wiegenbaches. Im Bereich der Flur "Stein-Wiesen" gibt es eine geräumige Talweitung, da sich zwei Nebenbäche in die Hänge eingeschnitten und so den relativ steilen Anstieg der Talflanken etwas zurückgedrängt haben. Merkwürdigerweise bezieht die Gemeindegrenze, die sonst am westlichen Talrand des Wiegentales verläuft, die kurze Seitentalstrecke mit ein und kehrt oberhalb wieder zum Talrand zurück. Denkt man sich hier den alten Ort Hoener, so läßt sich auch die Verteilung der Attribute "hinterer" und "vorderer" bei den Bergen Hiener verstehen, da das Wiegenbachtal gegen SO geöffnet ist. Schließlich muß noch erwähnt werden, daß der Ort 1283 unmittelbar vor Gleißenberg in der Reihenfolge erscheint. Das ist durchaus bedeutungsvoll, da alle Beschreibungen des Amtes Waldmünchen im NW beginnen und im SO enden. Man kann also in gewisser Weise aus der Reihenfolge der Nennung ablesen, ob ein Ort mehr NW oder SO von einem anderen gelegen hat. Doch fanden sich dort bisher keine Spuren von Wüstungen, sonder genau das Gegenteil. Die Talweitung ist erfüllt von Wiesen und Äckern, die mit zahlreichen Obstbäumen bestanden sind. Sie gehören zu vier oder fünf weit gestreut liegenden Bauernhöfen. Damit kommen wir zu einem Hauptproblem der Wüstungen um 1283.
Schon der Fall Pilmannsgruen läßt erkennen, daß wir es dort eigentlich mit keiner Wüstung im Sinne eines dauernden Verlustes von Siedlungs- und Wirtschaftsfläche zu tun haben. Es blieb, ... , nichts funktionslos oder dem Wald überlassen, höchstens ein paar Ackerstreifen. Das einzige, was wirklich verlorenging, ist der Name der Siedlung. Sollte das bei der Wüstung Hoener ebenfalls so sein?
An der Stelle der ehemaligen Ortschaft wären dann im Laufe der Zeit mehrere Ausbauten von Gleißenberger Bauern (vieleicht von nachgeborenen Söhnen), die die Flur schon früher bewirtschaftet hatten, erfolgt, ohne daß dabei ein neuer Name für die Streusiedlung notwendig geworden wäre.



Im gelb markierten Bereich vermutet
Prof Dr. Dietrich Manske die ehemalige Ortschaft:


Vorderer und Hinterer Hiener (2004)
© Landesvermessungsamt Bayern, TK 1:25.000.
© MagicMaps GmbH, Bayern 3D. Das interaktive Kartenwerk