Historisches über Geigantentnommen aus der Dissertation von Dr. Bernhard Ernst:"Burgenbau in der südöstlichen Oberpfalz vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit" erschienen im Verlag Dr. Faustus, 2003 (mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und des Verlags) Geigant (Stadt Waldmünchen) Abgegangenes Schloß, früher Burg TK 6642 (12,0 S; 43,4 O) Flurkarte NO 57.35 (Flurnr. 1) Lage: Das Schloß stand inmitten des an einem nach NW zum Schwarzbach hin abfallenden Hang gelegenen Dorfes anstelle des Schulhauses unmittelbar neben der anstelle der früheren Schloßkapelle erbauten neuen Kirche auf ca. 503 m ü.NN (Abb. 1) (1). Beschreibung: Von einer Burg bzw. dem Schloß ist heute nichts mehr zu sehen. Auch die Schloßkapelle St. Bartholomäus, ein 1768 errichteter Bau mit flachgedecktem Chor und eingezogenem dreiseitig geschlossenem Chor, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr stark verändert wurde, ist 1970 abgebrochen worden (2). Historische Pläne: Urkataster von 1839 (Abb. 1). Geschichte und Baugeschichte: 1120 erscheint Gertrud Geiganterin als erste nachweisbare Vertreterin einer Familie (3), die dann erst wieder 1261 mit "Wolframus de Gigant" faßbar wird (4) . Aufgrund des Bartholomäus Patroziniums der Kirche wird gerne eine Verbindung der frühen Geiganter zu den Grafen von Bogen hergestellt, doch läßt sich dies nicht belegen (5). Eher ist hier, auch wegen der Nachbarschaft zur diepoldingischen Ministerialenburg Katzbach, an einen Zusammenhang mit den Chamer Markgrafen zu denken. Nach dem erwähnten Wolfram I. wird nächstfolgend 1271 "Albertus de Gigant", vielleicht dessen Bruder, erwähnt (6). Die offenbar nicht unbegüterte Familie, die auch als Besitznachfolger der Bleschenberger gesehen wird und in enger Beziehung zum Kloster Schönthal stand, erlebte unter Wolfram/Wolfgang II. einen bedeutenden Aufschwung (7). Dieser wird erstmals 1189 in der Position eines Richters zu Neunburg (Lkr. Schwandorf) genannt, ebenso 1290 und 1298 (8) . Mehrfach sind auch zusammen mit ihm, oder auch einzeln, seine Brüder Dietrich und Rudeger von Geigant bezeugt(9). 1301 und 1308 bezeichnet er sich als " dominus de Geygant", 1316 wird er der "...Erbärge Ritter, Her Wolfram von Gaigent..." genannt und stiftet 1319 zusammen mit dem vierten Bruder Heinrich 1. die Begräbniskapelle der Familie im Hauskloster Schönthal(10). 1320/21 ist er verstorben, Dietrich 1. von Geigant ist schon 1315 mehrmals als Zeuge genannt (11). Heinrich I. war zwischen 1305 und 1310 Richter zu Neunburg (12). In ihm kann wohl einer der bedeutendsten Vertreter seiner Familie gesehen werden, der seit 1302, hier zusammen mit seinem mutmaßlichen weiteren Bruder Hilprand I.(13) , oftmals als Zeuge auftrat und 1313 Teilnehmer an der Schlacht von Gammelsdorf (Lkr. Freising) war (14). Der dritten Generation der Geiganter gehören wiederum fünf Brüder an. Hans I. ist zwischen 1319 und 1367 (15) nachweisbar, Dietrich II. zwischen 1319 und 1368 (16) und Theodorich nur 1338 bis 1348 (17). Ersterer war 1354 bis 1359 Richter auf der Schwarzenburg (18). Im gleichen Jahr bekleidete Dietrich II. das wichtige Amt des Vizedoms von Nabburg (Lkr. Schwandorf), das er bis 1362 innehatte (19). Damit war die Familie auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung angelangt. Heinrich II. von Geigant, 1342 erstmals genannt, war 1351 Richter zu Amberg und ist 1388 letztmals belegt (20). Der letzte der Brüder, Wolfram III., findet nur zwischen 1326 und 1342, als für ihn ein Jahrtag gestiftet wird, Erwähnung (21). Bislang noch nicht angesprochen wurde die Frage, ob für die Familie eine Burganlage als Sitz anzunehmen ist. Doch scheint sich hierauf eine positive Antwort geben zu lassen, auch wenn der archäologische und direkte quellenmäßige Nachweis hierfür bislang aussteht, da sich Familienmitglieder neben gesicherten Burgenbesitzern in Zeugenreihen finden, die Familie über umfangreichen Besitz verfügte, bedeutende Ämter bekleidete und auch auf mehreren anderen Anlagen nachweisbar ist (22). Die Entstehung der Burg ist spätestens in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zu setzen, doch lassen sich zu deren Größe und Aussehen keinerlei Angaben machen. Im bayerischen Teilungsvertrag von 1331, der also in die Zeit der dritten Generation der Geiganter fällt, ist diese nach der Burg Treffelstein als "Geigant der Sitz, geiganttinger" bezeichnet (23). Die nächste Generation der Geiganter ist in den Quellen bereits deutlich schlechter zu fassen. "Wolfhart der Geyganter" ist lediglich 1354 als Zeuge erwähnt, Hilprant II. 1355(24). Der 1415 bei der Erwerbung eines "Sitzes zu Eslarn" von den Wartbergern genannte Hiltprant, der 1417 sein Testament verfaßte, dürfte bereits der dritte dieses Namens gewesen sein. In diesem Testament überläßt er u.a. ..seinem Weibe, Margareten der Geiganterin, den Sitz zu Geigant mit aller Zubehörung, wie er ihn von Stephen dem Geiganter erwarb,... " (25). Dieser ist hiermit das zweite mal explizit als solcher bezeichnet. Der erwähnte "Steffan der Geyganter" ist 1395 bis 1398 bezeugt (26). Zwischen 1434 und 1470 erscheint "Peter Geyganter" (27). Unter diesem muß die Familie in größere finanzielle Schwierigkeiten geraten sein, da er zu einem unbekannten Zeitpunkt, jedoch vor 1453, als er bereits auf seinem Gut zu Rhan (Gde. Schönthal) saß (28), gezwungen war, den Stammsitz an die Kagerer zu verkaufen. In der Folgezeit verliert sich dann die Spur der Familie, die vermutlich stadtsässig wird(29). 1460 ist erstmals "Fridrich Kager" auf Geigant belegt (30). Bis 1625 blieb die Anlage im Besitz dieses Geschlechts, das seine Grablege in der Schloßkapelle hatte (31). Ins Jahr 1540 datiert die einzige verwertbare, wenn auch schematische Ansicht der Burg, die mit je einem großen und einem kleinen Turm neben dem Tor und einem steilgiebeligen Wohnbau dargestellt wird (32). Von einer Authentizität der Vignette kann aber nicht gesichert ausgegangen werden, da Ph. Apian 1568 lediglich ein größeres Haus darstellt, doch dürfte sie die Existenz eines größeren burgartigen Baukomplexes noch zu dieser Zeit belegen. In der Beschreibung des Amtes Waldmünchen wird die Anlage 1550 als ..ain Siz in Geigat, Geörgen Khagrer zugehörig ...... bezeichnet(33) . 1579 wird aus dem "Edlmannsgut ausser Hoffmark" (34) ein Landsassengut mit Niedergerichtsbarkeit (35). 1625 erwarb der Schwiegersohn des Georg Kagerer, Hans Sebastian von Thein die Anlage, verkaufte sie aber 1630 an Andreas Kolb auf Lixenried und dessen Frau, die als Witwe 1660, da evangelisch, auswandern mußte (36). Inzwischen war aber das Schloß 1641 von schwedischen Truppen zur Ruine gemacht worden (37). Damals wurde auch die Kapelle auf dem Pleschenberg, die der Geiganter Bevölkerung als Filial- , von 1577 bis 1626 auch als calvinistische Pfarrkirche diente, ebenfalls zerstört (38). Ihre Funktion übernahm daraufhin die Kapelle beim Schloß, die wohl um 1655 neu erbaut wurde (39). Zwischen 1671 und 1716 war Hans Christoph Kronacher Besitzer von Geigant (40). 1724 ist als Inhaber Franz Christoph Singer von Mosau belegt, 1741 sein Sohn Franz Sigmund Singer. Um 1745 folgte Joseph Wenzel von Kern, der die baulich mit dem Schloß verbundene Kapelle erneuern ließ. Dessen Erben verkauften Geigant 1793 an Franz Joseph von Schellerer, von dem das Schloß an Wilhelm von Weinbach überging (41). Die letzten Besitzer waren die Grafen von Pestalozza auf Birken Arndorf (42). Das Schloß war zuletzt ein einfacher rechteckiger Baukörper, dessen zur Straße gerichtete ö Giebelfront leicht schräg verlief. Im ö Teil der N Seite war das Gebäude leicht verbreitert. Daran band unmittelbar die Schloßkapelle an (Abb. 1). Die Entstehungszeit dieses Schloßbaus ist unbekannt. Zwischen 1845 und 1849 wurde er abgebrochen (43). ![]() Abb.1: Schloß und Kapelle nach dem Urkataster NO 57.35 von 1839 Literatur: Ambronn 1982, 75f. Brunner 1990, 66ff. Görgner 1972, 5f. KDM WÜM, 23f. J. Kraus 1973, 361717. 174ff. 228ff. Lehner 1953, 25f. Mages 1991, 23; 41ff. 64f. 91ff. 113. Rinck 1976, 366ff. Schrnitz Pesch 1986,161. 1) KDM WÜM, 24. 2) KDM WÜM, 23f.; L Kraus 1973, 37; 228ff. 3) StA Amberg, Standbuch 238; vgl. Mages 1991, 91. 4) MB 26 (1826) 13 Nr. 12; zu den Geigantern allg. vgl. J.Kraus 1973,36f.; Rinck 1976,367f.; Mages 1991,41ff. 91. 5) Lehner 1953, 25f.; Rinck 1976, 366. 6) MB 26 (1826) 22 Nr. 20. 7) Rinck 1976, 367; Mages 1991, 22f.; 4 1 ff. Den Zusammenhang mit den Bleschenbergem stellt J. Kraus (1973, 36) her, der auch den Stammsitz der Geiganter auf den Pleschenberg (Kat. Nr. 127) verlegen möchte. 8) MB 26 (1826) 29f. Nr. 3 1; 33 Nr. 36; 45 Nr. 5 1. 9) MB 26 (1826) 30f. Nr. 33 (1290); 33 Nr. 37 (1291); 34 Nr. 39(1294); 35 Nr. 40 (1295); 50 Nr. 59 (1299); 53 Nr. 63 (1300). 10) MB 26(1826) 57 Nr. 68; 72 Nr. 86; 83 Nr. 102; 96Nr. 116. Wiederum als Zeuge tritt er 1316 (MB 26 [1826] 84 Nr. 103) auf, 1317 bis 1320 mehrfach selbst als Aussteller und Tradent (MB 26 [1826] 87 Nr. 109; 98 Nr. 119); vgl. auch Rinck 1976, 367; Mages 1991, 42. 11) MB 26 (1826) 98 Nr. 119; 82 Nr. 100; vgl. Rinck 1976, 367; Mages 1991, 4 1 f. 12) MB 26 (1826) 70 Nr. 83; 74 Nr. 89; vgl. auch Rinck 1976, 367. 13) MB 26 (1826) 58 Nr. 70. 14) Vgl. Rinck 1976, 367. 15) MB 26 (1826) 96 Nr. 116 (1319); 107 Nr. 130 (1325); 116 Nr. 142 (1335), 119 Nr. 145 (1338); 123f. Nr. 151 (1341); 127f. Nr. 154f. (1342); 131 Nr. 160 (1345); 132 Nr. 161 (1345); 133 Nr. 162 (1345); 135 Nr. 164 (1345); 144 Nr. 172 (1349); 145 Nr. 173 (1349); RB 9 (1841) 27 (1360); vgl. Rinck 1976, 367f.; Mages 1991, 42. 16) MB 26 (1826) 96 Nr. 116 (1319); 123f. Nr. 151 (1341); 131 Nr. 160 (1345); 136 Nr. 166 (1348); 155 Nr. 184 (1355); RB 9 (1841) 27 (1360); MB 26 (1826) 186 Nr. 211 (1368); dieser scheint sich in Waldmünchen niedergelassen zu haben, da er sich 1368 nach dort nennt; vgl. Rinck 1976, 367f.; Mages 1991, 42. 17) Rinck 1967, 367f. 18) MB 26 (1826) 149 Nr. 179; 150f. Nr. 181 (1354); 155 Nr. 184; 158f. Nr. 188f. (1355); 162f. Nr. 193 (1358); 164 Nr. 195; 168 Nr. 198 (1359); Mages 1991,42; 91. 19) Bay. HStA München, KU Walderbach Nr. 289; vgl. Schmitz Pesch 1986, 161. 20) MB 26 (1826) 235 Nr. 251 (1388); vgl. weiter Rinck 1976, 368. 21) Rinck 1976, 367f. 22) Zur Quellenproblematik Boos 1998, 26f. Von 1341 bis 1360 sind z.B. die Brüder Hans, Heinrich U. und Dietrich II. von Geigant als Teilbesitzer der bedeutenden Burg Trausnitz (Lkr. Schwandorf) nachweisbar; vgl. hierzu ausführlich Müller Luckner 1981, 253. 1493 Andreas erscheint Geiganter auf Burg Katzberg (Stadt Cham, Kat. Nr. 68; Bay. HStA München, RU Regensburg vom 31.1.1493; vgl. Piendl 1955, 41) Eine Lokalisierung der Burg der Geiganter auf den Burgstall auf dem Pleschenberg, wie sie J. Kraus (1973, 36) für das 13. 15. Jahrhundert vornehmen möchte, ist kaum denkbar, da hier zunächst eine eigenständige Familie saß und sich hier später eine Kapelle befand, bei deren Erbauung es 1417 Streitigkeiten gab (vgl. Kat. Nr. 127). 23) Bay. HStA München, Neuburger Kopialbuch 1, fol. 52'; vgl. Mages 1991, 30. 24) MB 26 (1826) 151 Nr. 181, Möglicherweise ist er noch der dritten Generation zuzurechnen; zu Hiltprant vgl. Rinck 1976,368. 25) RB 12 (1849) 199; 252; Rinck 1976, 368. 26 (1826) 247 Nr. 259; 250 Nr. 260; 250 Nr. 262; RB 10 (1843)266. 27) MB 26 (1826) 396 Nr. 362; 400 Nr. 365; vgl. Rinck 1976, 368; Mages 1991, 42f. 28) MB 26 (1826) 469 Nr. 406. 29) KDM WÜM, 24; Rinck 1976, 368. Bereits 1368 ist Dietrich Geiganter in Waldmünchen nachgewiesen (MB 26 [ 1826] 186 Nr. 211), wo auch der Trausnitzer Familienzweig begütert war. 30) MB 26 (1826) 496 Nr. 420. 31) KDM WÜM, 24 , Ambronn 1982, 75f.; Mages 1991, 9 1 f. Ein Grabstein eines Kagerer Ritters (Michael Kagerer ?) wurde in den Neubau der Kirche übemommen. 32) Karte von E. Reich; vgl. Görgner 1972, 5f. 33) StA Amberg, Amt Waldmünchen 52; vgl. Mages 1991, 65. Im Landsassenregister desselben Jahres ist aber der Eintrag "jorg Kagerer zu Geygandth" in "Michel Kagerer" berichtigt (StA Amberg, Standbuch 215, fol. 517; vgl. Ambronn 1982,76). 34) StA Amberg, Amt Waldmünchen 352; vgl. Mages 1991, 91. 35) Mages 1991, 92. 36) StA Amberg, Standbuch 224; Bay. HStA München, Akten vom Ministerium des Inneren 29119 (Abschrift der Verkaufsurkunde von 1630); vgl. Mages 1991, 92 Anm. 655. 37) Brunner 1990, 70. 38) "a Suecis funditus destructa est..." (Salbuch der Pfarrei Gleißenberg von 1699, zit. nach J. Kraus 1973, 112; 174ff.) 39) J. Kraus 1973, 174ff. 40) SLA Amberg, Standbuch 238; vgl. Mages 1991, 92. 41) StA Amberg, Standbuch 238; vgl. Mages 1991,92 mit Anm. 658. 42) KDM WÜM, 24. 43) Briefliche Mitt. der Stadt Waldmünchen vom 26.3.1998. ![]() Grabplatte des Ritters Andreas Kagerer auf Geigant aus dem 16. Jahrhundert. Seinerzeit an der alten Kirche von Geigant, heute an der Westfassade der neuen Kirche. |