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Schon damals wieherte der Amtsschimmel
Seit 95 Jahre bezieht Waldmünchen sein Wasser aus Böhmen
Bericht von Hansjörg Schneider vom August 1997
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors)



Viele bürokratische Hindernisse waren beim Bau der Wasserleitung zu überwinden

Für jeden Ort, und wenn er noch so klein ist, bildet das Wasser ein unbedingt notwendiges Lebenselement. Ganz besonders wichtig aber, in alter wie in heutiger Zeit, ist die Versorgung von Städten, Dörfern und Weilern mit dem lebensnotwendigen Naß.
Früher hatte man in Waldmünchen (Landkreis Cham) zur Unterhaltung der sieben Brauereien eine Menge Wasser nötig. Brunnen versorgten sie mit bestem Wasser vom Herzogauer- und "Böhmerwald", der der ja damals den Waldmünchnern zum größten Teil selbst gehörte. Die Bäche rund um Waldmünchen lieferten das notwendige Naß zur Inganghaltung von Schneidsägen und Mühlen, zum Betrieb der Gerbereien, Färbereien und vieler anderer Gewerbe, die es heute fast alle in dieser Region nicht mehr gibt.

Röhrlmacher und ihre mühsame Arbeit
Die Stadtverantwortlichen hatten von jeher die nahegelegenen Quellen gefaßt und sehr früh Wasserleitungen in die Stadt gelegt. Es waren damals alles Holzleitungen, die der "Röhrlmacher" in mühsamer Arbeit gebohrt hatte. Da und dort findet man noch heute bei Erdarbeiten diese alten hölzernen Leitungen, die zum Teil nach mehr als 200 Jahren fast noch intakt wären.
In ältester Zeit hatte man einige Brunnen in der Stadt selbst gegraben, um sich mit Wasser zu versorgen. So hatten viele alte Häuser, vor allem "Wirtshäuser" und Brauereien, ihre eigene Wasserversorgung in Form eines Brunnens. Nach jeder Stadtrichtung innerhalb der Mauer hatte man Pump- und Ziehbrunnen gegraben zur Versorgung der damaligen Bevölkerung mit dem lebenswichtigen Element.
Zum Löschen der über 15 Stadtbrände leitete man ein "Wasserkanalsystem" durch die Stadt. Gespeist wurden diese Löschwasserentnahmestellen durch den Stadtbach, der beim Anwesen Lintl ("Reischn") in der Schloßgasse durch die heutige Werkstatt geleitet wurde, und sich über den Schloßhof in die Stadt verteilte. Erst durch die Einführung der Metall-Wasserleitungen hatten Wasserröhren aus Holz ausgedient und die "Röhrlmacher" mußten sich einer anderen Beschäftigung zuwenden.
Die Wasserversorgung der Stadt Waldmünchen war noch vor 1900 lange Jahre unzureichend; dies wirkte sich besonders bei Feuersbrünsten ungemein schädlich aus, so daß ganze Teile der Stadt mehrmals in Schutt und Asche sanken.

Typhusfälle durch verseuchtes Wasser
Als im Jahre 1900 einige Typhusfälle durch verseuchtes Wasser auftraten, wurde man auf den gesundheitsgefährdenden Zustand des Wassers aufmerksam, und man ging ernstlich daran, eine "Hochquellenleitung" zu schaffen, die den damaligen Ansprüchen durchaus gerecht werden konnte. Mit dem Erwerb von Quellen hatte die Stadt ein besonderes Glück. Der Besitzer des Gutes Herzogau, Karl Freiherr von Voithenberg, überließ der Stadt zinsfrei sieben Quellen in seinen Waldungen am Westhang des Böhmerwaldes. Was manch andere Stadt mit großen Kosten erwerben mußte, fiel Waldmünchen "mit Recht" in den Schoß. Die chemischen Untersuchungen dieser "geschenkten Quellwässer" in Erlangen hatte ein großartiges Ergebnis, und ermutigt durch dieses Gutachten ging man sofort im Jahre 1902 ans Werk. Leider lagen aber die Quellen jenseits der bayerischen Grenze in Böhmen. Kaum hatte man mit den Arbeiten zur Quellenfassung begonnen, ließ die Bezirkshauptmannschaft Taus sofort den Bau einstellen ( er lag ja auf ihrem Hoheitsgebiet !) und forderte Planvorlage und Inaugenscheinnahme durch eine beiderseitige Kommission. Ein unwahrscheinlicher Papierkrieg brach nun zwischen Waldmünchen und Taus aus, dann mit der bayerischen Regierung und der Statthalterei in Prag. Als Waldmünchen endlich die Bewilligung zum Bau aus Böhmen erhalten hatte, folgten eine Vielzahl von Verhandlungen, Sitzungen, Beschlüsse und Verträge auf bayerischer Seite. Es schloß sich ein schier endloser Schriftwechsel mit dem Waldmünchner Bezirksamt, Forstamt, Wasserversorgungsamt, Landbauamt, Straßen- und Flußbauamt, mit der Versicherungsanstalt, mit industriellen Firmen, usw. an.

Aktenstoß von ansehnlicher Höhe
Der Aktenstoß in dieser Sache erreichte eine ganz ansehnliche Höhe. Schließlich und endlich wurde das große Werk 1902 vollendet und Waldmünchen hatte damit ein ganz ausgezeichnetes Wasser bekommen. Durch die Einrichtung von Hydranten (sogenannten „Oberflurhydranten“) konnte nun auch gegen die Feuersbrünste in wirkungsvoller Art und Weise angekämpft werden.
Der Freiherr von Voithenberg wünschte und erhielt für die freie Überlassung der Quellen Pflasterzollfreiheit und kostenlose Wasserversorgung seines Anwesens Nr. 75 in Waldmünchen (= Reitmeier-Sport).
Der Waldmünchner Stadtrat hatte im Hinblick auf die bürokratischen Hemmnisse, die er im Jahre 1902 leidvoll erfahren hatte, 1930 zwei Quellen auf böhmischer Seite ganz einfach ohne weiteres Übereinkommen mit seinen böhmischen Grenznachbarn in seine Wasserleitung eingespeist. Daraufhin verurteilte das Tauser Bezirksgericht die Stadt Waldmünchen zu mehreren hundert Kronen Geldstrafe. Bis zum Jahre 1930 hatte die Hochquellen-Wasserleitung 95737 Mark an Kosten verursacht, zu deren Bestreitung die Landesversicherungsanstalt der Oberpfalz 80000 Mark Darlehen gab.
Da der Wasserbedarf ständig gestiegen ist, wurden im Jahre 1934 weitere zwei Quellen mit der Hauptleitung vom Čerchov vereinigt. Diese Quellen lagen im Hausbereich des Karmberges wo von 1549 bis 1856 sich zwei Bauernhöfe befanden. Der Kramberg liegt auf bayerischer Seite, war aber auch schon von 1708 bis 1764 zu Böhmen geschlagen worden, wie alte Aufzeichnungen belegen.
Seit der Quellenerschließung 1902 war der Schlossermeister Karl Pfliegl (= heute Schlotterbeck) als Wasserwart aufgestellt. Ihm oblag nun die Beaufsichtigung, Wassermessung, Feststellung des Verbrauches und das Einkassieren des Wasserzinses, bis es das städtische E-Werk übernahm.

Auch nach 1945 Quellen gepflegt
Nach der Schließung der Grenze 1945 pfiff wieder ein rauerer Wind über den "Eisernen Vorhang", aber die böhmischen Quellenleitungen konnten immer von den Waldmünchnern gepflegt werden. Alljährlich konnten Bedienstete der Stadt Waldmünchen die Anlage in Augenschein nehmen und - falls erforderlich - Verbesserungsmaßnahmen in die Wege leiten. Eine Blockade hätte sich die damalige Tschechoslowakei aber auch gar nicht leisten können, denn im Gegenzug lagen die Quellen der böhmischen Stadt Eger auf bayerischer Seite. Heute da der "Eiserne Vorhang" gefallen ist, liegen die Waldmünchner Quellen auf böhmischer Seite in einem ausgewiesenem Wasserschutzgebiet, in dem die gleichen strengen Reglementierungen gelten, wie bei vergleichbaren Anlagen auf deutschem Territorium.
Im Laufe der Jahre und der verschiedenen Bautätigkeiten mußten nach dem 2. Weltkrieg noch mehrere Quellen in Waldmünchen erschlossen werden, um die Wasserversorgung der Stadt mit ihrer gestiegenen Einwohnerzahl auf Dauer zu sichern. Sie befinden sich jedoch nicht mehr im Böhmischen.