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Waldmünchen - Höhensiedlungen im Böhmerwald
Der Wagen- , Eben- und Krambergerhof
von Hansjörg Schneider
entnommen aus dem Buch "Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham" 6. Band 1989
Herausgegeben vom Arbeitskreis Heimatforschung im Kulturverein Bayerischer Wald e.V.
(mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herr Hansjörg Schneider)



Vor etwas über 100 Jahren standen hoch droben im Böhmerwald Bauernhöfe mit teils sehr großem Grundbesitz. Der Forst strebte jedoch ständig danach, fremde Rechte und Besitzungen aus den umliegenden Staatswaldungen hinauszubringen. Auf diese Veranlassung hin verkauften auch im Jahre 1854, 1861 und 1876 diese Bauern ihre Gehöfte, die sie teils jahrhundertelang in Familienbesitz hatten. Im Jahre 1855 siedelte der Wagenhofbauer Georg Bock nach Waldmünchen um und wurde "Bockmüller" von Raubersried (Waffenschleife). Dieser Besitz war ganz früher die "Waffenschleife", später dann eine Tabaksmühle, bis dann Bock eine "Mahlmühle" daraus machte.

Wagenhof

Das Holzrecht am Wagenhof verblieb jedoch noch beim Bockmüller. Wenn man bedenkt, daß der Wagenhofbauer Bock, 96 Tagwerk Grund im Besitz des Wagenhofes hatte, so war dies bestimmt nicht wenig für die damalige Zeit. Der zweite Wagenhofbauer Wolf Karl, hatte nicht weniger als 84 Tagwerk Grund in Besitz, so betrug die gesamte Grundfläche des Wagenhofes insgesamt 180 Tagwerk Felder und Wiesen, ein ganz respektables Areal.
Der heutige Nachfolger auf der Bockmühle in der Waffenschleife führt einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Jahre 1913 bereits wurde die Bockmühle gezwungen, ihren Betrieb einzustellen. Die Familie Zangl, die die ehemalige Bockmühle heute bewirtschaftet, hat noch eine bildliche Erinnerung an ihre Vorfahren vom Wagenhof. Es ist dies ein Muttergottesbild, auf zwei Brettern gemalt, in noch sehr gut erhaltenen Farben, teils mit Ochsenblut. Ein alter wurmstichiger Holzrahmen umgibt das Bild, es erinnert an die Verlobung des "Beter Bock", mit Margaretha, im Jahre 1797. Auch aus dem Jahre 1690 hatte die Familie ein Bild vom Wagenhof, es stammte vom ersten Besitzer dieses Hofes, dem "Hansen Wagner", von dem der Wagenhof seinen eigentlichen Namen hat. Dieses Bild wurde von der Familie in den fünfziger Jahren verliehen und ist seit dieser Zeit nicht mehr aufgetaucht. Aus dem Jahre 1654 wird uns das erste Mal vom Wagenhofbauern berichtet. Dem Hans Wagner aus Prosdorf werden, auf ein Gutachten des damaligen Pflegers Waygl, durch den Amberger Rentmeister, Engelbert Friedrich Nothaft, 40 Tagwerk Holzgrund zur "Ausräumung" für einen halben Hof überlassen. Er mußte dagegen jährlich an den Pfleger geben:
"3 Gulden Zins, 6 Pfund Hofschmalz, 2/3 Zehent und bei jeder Veränderung eine Reichung des gewöhnlichen Handlohnes."
Der Pfleger war ein besonderer Gönner des Wagner. Wahrscheinlich hat er von diesem immer bäuerliche Naturalien erhalten, bei seiner Einkehr im Wald, anläßlich der vielen Jagden, die vom Schlosse aus durchgeführt wurden. Im Jahre 1670 beschwerten sich die Waldmünchener Bürger und Müller, daß sich der Wagner immer Wasser aus dem Stadtbache abzweige und sie nicht nach "Notdurft" mahlen könnten. Der Wagenhofbauer brauchte jedoch auch Wasser, um seine Mühle zu betreiben und den Wintervorrat an Mehl anzuschaffen. In der damaligen Zeit muß es sicherlich sehr schwer gewesen sein, im Winter in die Stadt zu gelangen, darum mußte im Sommer fleißig für Vorrat gesorgt werden; denn die Winter waren sehr lange. So berichtete uns der Chronist, daß in so einem Winter nicht selten bis zu fünf Meter Schnee lagen. Auf den Protest der Waldmünchener, wollte der Rentmeister selbst "Augenschein" nehmen. Der Pfleger Weygl hintertrieb dies, da durch die Neuordnung und Hoferrichtung des Wagner wohl auch für ihn einiges abfiel. Die Waldmünchener beschwerten sich nun abermals über das Treiben des Wagenhofbauern. Der Hans Wagner hat gegen 100 Tagwerk Wald abgetrieben, obwohl ihm nur 40 Tagwerk erlaubt seien, er hat das Holzabtreiben meisterlich gelernt, so sagen sie! Er haut die Rinde zuvor rund um den Stamm herab, dann haut er ein Stück in den Baum, bis zum Kern, macht ein Feuer, so daß sich der Kern nicht entzündet. Wenn er einen ganzen Baum durchgebrannt hat und sechs oder mehrere solche "Paumb" (Bäume) durch"Ausbrennen" hingerichtet hat, so fällt er einen anderen nebenstehenden, der die ausgebrannten niederschlägt. Er richtet so an Grund und Boden, sowie an Bau und Brennholz, großen Schaden an: So führen sie Klage gegen ihn. Außerdem hat er einen Weiher bei seinem Wohnhaus zum Wässern der Wiesmathen geschüttet und läßt das Wasser aus dem Stadtbach dahin, zu großem Schaden der Stadt und der drei Stadtmüller sowie der "Hofmühle"; dies ist wider altes Herkommen! Auch richtet er durch sein Viehtreiben (Rinder und Geißen) großen Schaden an. Er durchstreift alles bis aufs Böhmische, er läßt nicht ein "Stamblein" weniger ein Gräslein aufkommen. Aus diesen Beschwerden der Waldmünchener dürfte wohl auch der Neid herauszuhören sein; denn was hatten sie in Waldmünchen, und was für einen Besitz hatte er! Der Pfleger von Muffel, der Nachfolger des Weygl, erwiderte den Waldmünchenem auf ihre Beschwerde, daß er in dieser Sache nichts machen könne, da dies altes Erbrecht sei. Er halte zwar ihr Anliegen nicht für unbillig, und sie sollten sich an die Regierung wenden. Die Bürger beschwerten sich nun bei der Regierung, dann ruhte die Sache fünf Jahre, also muß die sogenannte "Belästigung" des Wagner nicht so groß gewesen sein. Endlich erneuerten die Waldmünchener im Jahre 1675 ihre Beschwerde. Darauf erließ die Regierung an den Pfleger einen scharfen Befehl: "Er solle, dem bereits am 9. November 1670 erteilten Befehl gemäß, seine Verantwortung mit Berichterstattung einsenden." Hier sieht man, daß die Pfleger die Beschwerden der Waldmünchener überhaupt ignorierten. Der Pfleger mußte nun den Gerichtsschreiber, den Magistrat und die drei Stadtmüller zum Wagenhof schicken, um Augenschein zu nehmen. Hier stellten sie fest, daß der Wagner tatsächlich statt 40, gleich gegen 100 Tagwerk Wald abgetrieben hatte. Die Waldmünchener baten nun aufs Neue (20.10.1676) bei der Regierung, dem Wagner zu untersagen, der Stadt Schaden zu machen. Das Burgtum gebe doch 106 Gulden Zins, auch die Stadtmüller hätten Zins und andere Schuldigkeiten zu erbringen. Dieses sagten sie, sei doch wertvoller fürs kurfürstliche Ärar, als der einzige Wagenhof. Man wird sich wahrscheinlich geeinigt haben damals; denn von weiteren Urkunden ist nichts mehr bekannt. Heute ist vom Wagenhof nur mehr der Weiher geblieben, auch von den Überresten der Gebäudlichkeiten kann man nicht mehr viel sehen, der Wald hat alles wieder überwuchert. Die Mühle stand links von der Forststraße, kurz vor der heutigen Grenzerhütte. Der Wald rechts davon, zum Wagenhof, ist in den letzten Jahren abgeschlagen worden (fast wie zu Wagners Zeiten), heute ist jedoch der Forst dafür zuständig. Ein Feldkreuz am Eingang der Waffenschleife (rechts am Gartenzaun des Anwesens Gruber) erinnert noch heute an den letzten Wagenhofbauern (Bock 1863) zum Gedenken an sein Sterbejahr. Im Staatsarchiv Amberg konnte ich erst kürzlich noch eine Beschreibung über den Wagenhof II (am Weiher) finden. (Fassion 42 1793/1808)
So ist der Wagenhof Haus No.2 im Jahre 1808 in Besitz der Augusta Bock, Viertelhofbesitzerin. Der Hof beinhaltet ein gemauertes Wohnhaus (No.2), samt Stall unter einem Dache, der Stall und Schuppen von Holz erbaut, ebenfalls unter einem Dach, dann ein Nebenhäusl No.1/2 mit Stall von Holz unter einem Dach. Ferner noch ein Hirtenhaus ohne No., mit einem Stallerl. Vor kurzem hat mich ein Münchner Familienforscher, dessen Vorfahren vom Wagenhof stammen, auf einen interessanten Übergabevertrag aus dem Jahre 1795 aufmerksam gemacht. Dieser Übergabevertrag sollte sich in einer alten Hausbibel befinden, die im Besitze einer Waldmünchner Familie ist. Der Forscher ging dieser Fundstelle nach und konnte tatsächlich eine Kopie dieses Übergabevertrages erwerben. In diesem Vertrag verkauft die Witwe Anna Carl (Karl!), nachgelassene Witwe des Christoph Carl, am 4.2.1795 den Wagenhof um 2000 Gulden an ihren Sohn Hans Wolf Carl, damals Soldat im 11. Füsilier Regiment in Amberg. Die Verkaufsurkunde hat uns Dr. Ferd. Stadlbauer in die heutige Schriftsprache übertragen. Interessant an dieser Urkunde sind die damaligen Handelwerte für die Ochsen, Kühe, Schafe und Schweine. Damals gab es noch keinen Kunstdünger, 100 Quartl "dunget" = Mist, hatten einen Verkaufswert von 25 Gulden. Der Text der Urkunde gibt uns auch Hinweise auf die Schwiegersöhne, die eine Tochter des Christoph und der Anna Carl vom Wagenhof geheiratet hatten. Wie die Familie Karl in den Besitz eines Teiles des Wagenhofes kam, ist noch nicht bekannt, dies bedarf noch einer genaueren Forschung, es gestaltet sich jedoch schwierig weil der Wagenhof zeitweise von 1709 1766 nach Böhmen gehörte. Als Christoph Karl am 5.8.1763 den Anteil am Wagenhof kaufte, wurde seine Kaufurkunde in der Stadt Taus ausgefertigt. Im Anhang zum Text der vorliegenden Urkunde, wollen wir dann noch die Ahnenreihe des Wagenhofbauern vorstellen.
Text der Urkunde:
Ich Anna, die von weyland Christoph Carl von Wagenhof selig nachgelassene Witwe unter Einverständnis meiner Tochtermänner (Schwiegersöhne), namentlich: Jakob Gruber von Schäferei, Andreas Feiner von Moosdorf und Lorenz Vogl von Lengau, dann der über meine Kinder obrigkeitlich aufgestellten Vormünder, namentlich: Peter Bock vom Wagenhof und Hans Adam Vogl vom Arnstein. Bekenne und verkaufe mit Consens des churfürsthehen Pflegamts Waldmünchen den von dem Erblasser während des mit Böhmen vorgewesten Status quo, vermög der von der Stadt Taus den 5. August anno 1763 ausgestellten Urkunde diesen bestätigten unteren Viertelhof zu Wagenhof mit all dessen rechtlichen Ein- und Zugehörung zu Dorf und Feld nichts davon besondert, noch ausgenommen, gleich der Erblasser (= verstorbene Ehemann) und ich Witwe solchen innegehabt, genutzt und genossen haben, von welchem jährlich dem gnädigsten churfürstlichen Pflegamt zu Georgi oder Michaeli 25 fl. Zins verreicht, auch jährlich 3 Pfund 9 Loth Hofschmalz geliefert werden muß, sonsten ist dieser Viertelhof alldahier mit der Mannschaft, Reiß, Steuer, Scharwerk zum Schloß (Waldmünchen) mit begebener Veränderung mit dem zwanzigsten Pfennig Handlang, 2/3 des großen Zehents, und all anderen Botmäßigkeiten unterworfen. (Verkaufe) meinem Sohn Hans Wolf Karl, ledig, doch volljährigen Stands dermal als neu ausgewählter "Landkapitulant" unter dem churfürstlichen 11. Füsilier-Regiment in Amberg befindlich und heute durch obgedachten seinem Schwager Lorenz Vogl von Lengau gewalthabend vertreten um "860 fl." dann absonderlich:
2 Menathochsen zu 80 fl. 2 eiserne Höllhafen, 10 fl. *
*= (eiserne Öfen!)
5 Kühe zu 90 fl. 1 Halmstuhl, 5 fl.
4 vierj. Öchslein, 100 fl. 3 Rifflkämme, 3 fl. (f.d.Flachs)
4 dreij. Öchslein, 80 fl. 1 Ehehaltenbett, 15 fl.
4 einj. Öchslein, 60 fl. (= ein Bett für den Knecht)
4 jährige Kälber, 50 fl. 12 Klafter Holz, 18 fl.
1 Schweinsmutter, 20 fl. das Heu, 100 fl.
5 Mutterschaf, 20 fl. 2 1/2 Wagen zu 98 fl.
2 Pflüge, 10 fl. 2 Eiden (Eggen), 5 fl.
2 Holzschlitten, 2 fl. 1 Schubkarren, 3 fl.

sämtlichen Hausrat samt Haus und Bauernmannsfahrnis = 100 fl.
100 "chartl" Tungat (= eine bestimmte Menge Mist!) = 25 fl.
den Abschnitt des mit dem ... befindlichen Winteranbaues, den Samen zum künftigen Sommeranbau, und in dessen Folge auch den Abschnitt dieses Sommeranbaues, dann den Leinsamen nach 5 Münchner Metzen zu 240 fl. thuet (= entspricht) 1140 fl. zusammen, aber um 2000 fl. Kaufschilling und 8 fl. Leykauf.
An diesem Kaufschilling muß der Käufer zu heurigem Jakobi 700 fl. baar erlegen, und so gehen ihm zum bewilligten Heiratsgut 500 fl. ab, daß also die Anfrist in 1200 fl. besteht. Zur Nachfrist müssen zu Jakobi an 1796 50 fl. erlegt und hiermit jährlich um solche Zeit solang fortgefahren werden, bis der ganze Kaufschilling wird in Abführung gebracht worden sein. Anbei ist abgeschlossen worden, Käufer solle schuldig sein, jedem der vorhandenen 3 ledigen Kinder, namentlich, Georg Adam 34 Jahre, Elisabeth 22 Jahre und Hans Georg 10 1/4 Jahre alt,solange sich diese in ledigem Stand befinden werden:
1 Schaf zu sommern und zu wintern, dem ledigen Sohn Georg Adam allein aber jährlich auf 1/2 Münchner metzen Lein das erforderlich hergerichtete Feld zu überlassen, dann jedem der drei ledigen Kinder, wann die Verkäuferin (= Mutter der Kinder) nicht mehr bei Leben sein sollte, bei einer Verheiratung den Heirats- und Hochzeitstag mit einer gewöhnlichen Morgensuppe (= das war die sog. Gagelsuppe) auszuhalten und zum Hochzeitsbrod 2
Münchner Metzen Korn abzureichen. Weiteres solle Käufer (= Hans Wolf Karl) schuldig sein, es möge die Verkäuferin (= seine Mutter) leben oder nicht, jedem der beiden ledigen Söhne bei deren Verheiratung: 1 Paar vierjährige Ochsen oder hierfür 50 fl. in Geld, dann der ledigen Tochter ebenso bei einer Verehelichung: 2 Kühe oder für beide 30 fl. zu verabfolgen, so daß jedoch einem jeden freistehen soll, das Vieh in natura, oder das hierfür bestimmte Geld zu nehmen. Sollte nun ein oder das andere dieser 3 Kinder im ledigen Stande versterben, so solle mit dem Tod derselben auch die Schuldigkeit der Überreichung, ein, oder das andere aufhören. Wiederum wurde bedungen, Käufer solle schuldig sein, dem ledigen Sohn Hans Georg 100 fl. für den Einsitz, alsdann zu bezahlen, wann er eine Versorgungs Gelegenheit erlangt. Sollte sich aber diese Gelegenheit nicht ergeben, ehe er 25 Jahre alt sein wird, so solle ihm der Käufer diese 100 fl. auch alsdann abzureichen schuldig sein. Das herrschaftliche Handlang übernimmt die Verkäuferin allein, die heutige Gerichtsgebühr entgegen diese und Käufer gleichheitlich in Abführung zu bringen. Dem durchaus nachzukommen ist handstreichlich angelobet worden. (Zusatz: Der Handschlag war die rechtsverbindliche Gebärde, daß ein Vertrag rechtsgültig war!)Getreulich und ohne Gefährde. Dessen zu Urkunde und mehreren Bekräftigung haben die Teile untertänig gehorsam erbeten, den hochgeborenen Herrn
Anton Schmaus auf Schönhofen, Churfürstl. Durchlaucht zu Pfalzbayern ec.ec. wirklich oberpfälzischer Regierungsrat zu Amberg, dann beigeordneter amtierender Pfleger und Landhauptmann zu Waldmünchen, daß er diesen Brief in Dupplo errichtet lassen, eigenhändig unterschrieben und mit seinem angeborenen Hochadeligen Insigel gefertigt hat. Erbetene Siegelzeugen sind:
Johann Baptist Seibert und Peter Stöttner.
Geschehen zu Waldmünchen den vierten Monats Hornung im eintausendsiebenhundert fünf und neunzogsten Jahr. (= 4.2.1795)
Unterschrift: A. Schmaus.

Ebenfalls im Staatsarchiv Amberg aus dem Jahre 1808 (Fass. 42,1795/ 1808) liegt eine Beschreibung über die Beschaffenheit dieses Hofes, man spricht hier von einem Viertelhof, dessen Besitzer Wolfgang Karl die Haus No.1 hat. Es war dies ein hölzernes Wohnhaus mit derlei Stall und Schupfen, unter einen Dach, ein hölzerner Stadl, dann ein Nebenhäusl (1 1/2) mit einem Stall, alles aus Holz. Heute kann man von diesem Hof nur mehr einige Wohngruben sehen. Gerade im Jahre 1988 konnte der Verfasser an Hand von alten Plänen die Stellen der Höfe im Böhmerwald wieder auffinden und markieren. An den historischen Wanderungen im Frühjahr und Sommer dieses Jahres, die der Verfasser in Zu-
sammenarbeit mit der Volkshochschule durchführte, beteiligten sich fast 120 historisch interessierte Waldmünchner. Jeder Beteiligte an den Wanderungen ist ein Multiplikationsfaktor, denn er unternimmt in der Regel wieder mit seinen Bekannten eine Wanderung zu den ehemaligen Siedlungen, so bleibt die Geschichte der Höhensiedlungen in der Bevölkerung lebendig.

Anhang:
Gründer des Wagenhofes war Hans Wagner aus Prosdorf (1654 oder auch schon früher!)
Er heiratete 1630 Magdalena Zürer, eine Kaufmannstochter aus Nürnberg.
Hochzeitsbuch: 262

Beide hatten 6 Kinder:
1) Wagner Walburga, Wagenhof, sie heiratet: 1673 den Soldaten Messe Johann aus
Sachsen. HB. 560.
2) Wagner Ottilie, Wagenhof, heiratet 1680 Bock Mathias aus Oberhöll, HB. 581.
3) Wagner Barbara, Wagenhof, heiratet 1682: Anspann Johann, Ulrichgrün, HB. 586
4) Wagner Anna Maria, Wagenhof, heiratet 1686: Nachreiner Christoph, aus Gschwand
HB 597.
5) Wagner Elisabeth, Wagenhof, heiratet 1687: Andreas Bock, Höll, HB. 599
Er übernimmt den Wagenhof!

Eltern von Andreas Bock:
Bock Georg, Höll, heiratet 1655: Stainer Margarete aus Waldmünchen. HB. 523.
Kinder von Bock Andreas und Elisabeth Wagner
1) Bock Anna Margaret, heiratet 1713: Stumpf Joh. , Schäferei. HB 660.
2) Bock Walburga, Wagenhof, heiratet 1716: Fenzl Joh. Neugedein. HB. 669.
3) Bock Johann Georg, heiratet 1727: Frank Margaret Ulrichsichsgrün. HB. 706.
4) Bock Simon, Wagenhof, heiratet 1727: Fischer Barbara, Gschieß. HB. 707.
5) Bock Katharina Wagenhof, heiratet 1727: Ster Wolfgang, Haselbach. HB.709.
6) Wagner Achatz,Wagenhof, heiratet 1692: Söldner Katharina v. Kramberg und
zieht nach Kramberg
(ehem. Höhensiedig.i. Bö. w.). Heiratsbuch: 610


Zusammenfassung Wagenhof
1654: Gründung durch Hans Wagner von Prosdorf bei Waldmünchen.
Er hat die größte aller Grundflächen der Höhensiedlungen im Böhmerwald: 180 Tagwerk (1 Tagwerk = 3333 qm), der Hof zerfällt später in zwei Teile, den unteren und oberen Wagenhof, er bleibt jedoch immer im Besitz der selben Familie, eine Tochter des Wagner heiratet den Bock aus Höll bei Waldmünchen.
Bocks Hof ist 96 Tagwerk groß.
Er verkauft an den Staat: 1854
Verkaufsentgelt: 6.854 Gulden

Der Hof von Karl ist 84 Tagwerk groß.
Er verkauft 1861 an den Staat.
Verkaufswert: 7.715 Gulden


Der Kramberg

Er ist die älteste Höhensiedlung im Böhmerwald. Bereits 1549 erfolgte die erste Nennung, der damalige Besitzer ist ein Michell Rodauscher. In der Jahresrechnung von 1584/85 werden beim Kramberg zwei Höfe genannt. Sie gehören dem Heinrich Hofmann, bewirtschaftet werden sie von einem Peter Zeidler. 1607 ist der Kramberg eine "Ödlent", also nicht mehr bewirtschaftet. Im Jahre 1699 - 1707 tauchen jedoch wieder zwei Güter auf, die im Besitz eines Hans Grävogel, heutige Schreibweise Grauvogel, sind. Von da an bestehen beide Anwesen, aber immer von einem bewirtschaftet. Erst 1772 gehört je ein halber Hof einem Dirschedl (Haus No. 2, mit noch vorhandenem Keller) und einem Bauer (Hs. No. 1, direkt am Cherkovsteig). Das Anwesen wurde demnach geteilt. Das gesamte Areal der Kramberghöfe betrug 116 Tagwerk und wurde 1854 und 1861 ebenfalls an den Staat verkauft.
Georg Bauer hatte 62 Tagwerk, er verkaufte den Hof 1854 an den Staat und erlöste dabei 4.188 Gulden. Sebastian Dirschedl hatte 54 Tagwerk, er verkaufte den Hof 1861 ebenfalls an den Staat und konnte 4.045 Gulden dafür erzielen. Dirschedl kaufte sich dann etwas außerhalb Waldmünchens ein Haus (in Buchwalli) und ließ sich dort nieder. Bauer kaufte sich in der Stadt ein Haus (heute Schulstr. 15, Hausname: Kramberger). Im Taufbuch der Pfarrei Waldmünchen werden folgende Personen genannt die auf dem Kramberg wohnen:

im Jahre 1582: Reichenberger Michael TB 10
1587: "Krambauer" Michael (dürfte Reichenberger sein) TB. 52
1589: Hansen Nieth, TB. 67
1589: Hansen Nierpauer, TB. 72, Sterbebuch 46
1591: Rückl "auf Kramberg", TB. 83
1596: May Leonhard, Krarnberg, TB. 120
1603: Eiber Andreas, Cramhof(berg) TB. 153,191
1604: Roidt Wolf, Kramberg, TB. 160
1606: Raiden Wolf, Gramberg, TB. 172,183 (identisch mit vorhergenannten).
1606: Vögeln Georg, Gramberg, Köhler, TB. 180, 210, 233
1607: Müller Lorenz, Kramberg, TB. 184
1607: Nachtmann Hans, Kravenberg (= Kramberg), TB. 187, 211
1607: Huebern Caspar, Kravenberg, TB. 189
1607: Storzen Hans, Kohlenbrenner, Kravenberg, TB. 190, 219, 206, 231
1609: Nachrenner (= Nachreiner) Hans, TB. 212, 233, 252
1612: Wagner Georg, Kramberg, TB. 228, 238
1612: Bauer Leonhart, Kramberg, TB. 231
1616: Meixner Hans, Kramberg, TB. 258, 262, 270.
1617: Merkel Paul, Kramberg, TB. 263
1617: Kunz Hans, Kramberg, TB. 263
1618: Rink Endres, Kraunberg (= Kramberg), TB.266
1619: Vitzthum Mathäus, Schafhirt, Kramberg, TB. 271
1620: Carl Endres, TB. 278
1644: Eiber Georg, TB. 446
1638: Eiber Hans, Kramberg, TB. 382, 417
1647: Eva, Gemahlin des Krambergbauern, TB. 478
1629: Kaiser Georg, TB. 324
1625: Storz Hans, TB. 298
1651: Eiber Hans, Kramhof, TB. 538
1653: v. Manses Franciscus (Franzose), TB. 561
1656: Weber Hans, Kramberg, TB. 596

Bei den vielen verschiedenen Namen, dürfte es sich immer um Hirten oder Knechte handeln, in einem Falle wahrscheinlich um einen ehemaligen Söldner, den es nach dem 30 jährigen Krieg in den Böhmerwald verschlagen hatte.

Auch geheiratet wurde auf dem Kramberg, so stehen im Hochzeitsbuch der Pfarrei
Waldmünchen von 1630 - 1730 folgende Namen:
1632: heiratet der Wolfgang Schwarz von Kramberg, die Margarete Dülner aus Höll bei
Waldmünchen.
1700: heiratet der Johann Pollender von Kramberg, die Maria Müllbauer aus Waldmünchen,
HB. 630

Aus den Aufzeichnungen von Josef Stadelbauer, Waldmünchen (†)
1699: erlaubten sich laut Ratsprotokoll die Bauern von Arnstein, Wagenhof und Kramberg, ihr Vieh im Burgtum (Stadtbesitz) der Stadt Waldmünchen zu hüten. Die Besitzer dieser Einödhöfe taten dies auf Veranlassung des Pflegers, der den Waldmünchnern ihr ausschließliches Weiderecht im Burgtum streitig machen wollte. (Hauptstaatsarchiv München, Ger.Lit., Waldmünchen Nr. 2, Fasz.I: Prod. 24).
1701: Am 20. Juni 1701 fand eine erneute Änderung der Burgtum Gemarkung
(der Stadt Waldmünchen) statt. Die Stadt Waldmünchen überließ dem Staat "etliche hundert Tagwerk Gehölz in der hinteren Höll" (= vermutlich der Höllerberg) "allwo sie das
Jagdrecht habe". Sie trat dem Staat diesen Waldbereich ab und forderte dafür ein Jagdrecht in der Nähe des Krambergs. (Forstakt Waldmünchen Nr. 2216 I. Seite 60) 1795: Der Georg Bauer von Kramberg (Häusler), beantragt die Auswanderung nach Böhmen. 1801: Wandert der Johann Bauer von Kramberg nach Wien aus, er hat ein Vermögen von 50 Gulden.
1798: Dirscherl (oder Dirschedl?) Margaret von Kramberg, verehelichte Weidnerin, Müllerin von Seeg (Böhmen), mit einem Vermögen von 700 Gulden, beantragt ebenfalls die Auswanderung (sicher nach Böhmen).
1825: Der Thomas Rab, geboren am 19.12.17 83 am Kramberg, Inwohner, beantragt ebenfalls die Auswanderung, er will sich in Kaut in Böhmen ansässig machen. 1808: Die Ortschaften Höll, Arnstein, Ebenhof und Kramberg gehörten 1808 zum Steuerdistrikt Untergrafenried.
1793: Anna Barbara Ruhland vom Kramberg, ledig, hat ein Vermögen von 262 Gulden und beantragt die Auswanderung.



Erwähnungen der Ortschaft Kramberg bei Franz Xaver Lommer,
Geschichte der Grenzstadt Waldmünchen.


1550: Beschreibung des Pflegamtes Waldmünchen.
"Erstlich ain holz und berg, am Böhmerwald gegen den Aufgang von Waldmönchen ain viertel meil gelegen Khrämberg genannt, ist öde, nit mehr dann verschines Jar mit einen paurs heußlein und geraumbter Wisen paulich". (Lommer, 1890, S. 6)

1563: Verzeichnis der "steten Mannschaften" (= der wehrfähigen Männer) "Krabnperg" als
Ortschaft erwähnt. (Lommer 1890, S. 8)

1707: Während des spanischen Erbfolgekrieges verlor die Oberpfalz mehrere Ortschaften an Böhmen. Das Pflegamt Waldmünchen mußte u.a. Kleeberg, Kleinsteinlohe, Althütte, Posthof, Höll, Großsteinlohe, Arnstein, Obergrafenried, Schmalzgruben, Haselbach und dem Kramberg an Böhmen abgeben. (Lommer, 1890, S. 12)

1760: bei einer Grenzbegehung wird der Kramberg erwähnt. (Lommer, 1890, S.13)

1766: Im Jahre 1766, nach dem Ausgleich in Prag, kam der Kramberg mit seinen 2 Gehöften
wieder zum Pflegamt Waldmünchen. (Lommer, 1890, S. 14)



Staatsarchiv Amberg: Fass. 42, 43, 98 von 1808:
Die Akten im Staatsarchiv beschreiben die Beschaffenheit der Höfe am Kramberg.
Der Johann Bauer wird als 3/8 Hofbesitzer zu Kramberg genannt, er hat die Hausnummer 1, direkt am sog. "Cherkovsteige" gelegen führt der Weg mitten durch die ehemalige Hofstelle, die Grundmauern und Wohngruben sind noch gut erkennbar, auch ein außerhalb des Hauses gelegener, eingefallener Keller. Dieser Hof hatte ein gezimmertes Wohnhaus und derlei Stall, unter einem Dach, dann einen Stadel und Schupfen von Holz. Den Kramberg Haus No. 2, besaß zu diesem Zeitpunkt ein Joh. Wolfgang Dirschedl (auch Dirscherl geschrieben), ebenfalls ein 3/8 Höfler. Er hatte ein ganz gemauertes Wohnhaus und derlei Stallung unter einem Dach, dann einen Stall und Schupfen von Holz. Der selbe Besitzer hatte auch noch bei seinem Grund ein hölzernes Hirtenhaus, welches jedoch den beiden Gutsbesitzern gehörte, und es auch gemeinsam zu besteuern hatten. Die beiden Höfe findet man heute am leichtesten wenn man beim "hinteren Torsperrer" den markierten "Cherkovsteig" (C) durchwandert, die 2. Straße überquert. Hier bringt uns der Weg direkt zum Kramberg No. 1. Direkt an der Hofstelle gibt es ein Wegekreuz, gerade aus führt der Weg zum Wagenhof. Der linke Weg führt nach ca. 100 mtr. zum Brunnen des Krambergbauern (I), diesen hat die Stadt im Jahre 1977 ins städtische Leitungsnetz eingespeist, er liefert eine Leistung von 7 Sekundenlitern. Der rechte Weg ist der "orig. Cherkovsteig". Er überquert nach ca. 150 mtr. die Forststraße und führt uns direkt wieder am Kramberghof No. II vorbei, ebenso vom Brunnen des oberen Bauern, der wiederum ins Leitungsnetz der Stadt eingebracht wurde.

Von diesem alten Krambergerbrunnen erzählt ein Waldmünchner (Hans Heiderer, † 1980), daß sein Großvater, als er einmal krank gewesen ist (in den zwanziger Jahren), Wasser aus diesem Brunnen verlangt hatte. Heiderer, er war damals ein Bub von 10 Jahren (Jahrgang 1909), mußte, es war Winter, mit den Skiern in den Böhmerwald hinauf, um eine große "Milchbitsche" (Kanne) voll Wasser zu holen. Der Großvater konnte dieses Wasser von allen anderen unterscheiden, versuchte doch der Enkel ihn mit einem Wasser vom Stadtbrunnen zu hintergehen. Der Großvater schwor auf dieses Wasser, schrieb er ihm doch einige Heilkräfte zu.



Reste des Kellers vom Krambergerhof (16.05.09)



Stelle des ehemaligen Teiches am Kramberg



Der Ebenhof

Den ehemaligen Ebenhof erreicht der Wanderer heute am besten wenn er von der Teufelsbrücke links abbiegt, auf der Forststraße zum Arnstein. Gleich der nächste Weg rechts, das sog. "Moierstraßl" (von Meier, dem letzten Besitzer) bringt uns direkt auf die "Eben", ein Wildacker, der bei allen Höhensiedlungen im Böhmerwald vom Forst errichtet wurde, führt uns auf dem Wanderweg "W 16" direkt am Ebenhof vorbei. Bei der rückwärtigen Umfassungsmauer des Ebenhofes, die noch sehr gut erhalten ist, führt uns der Weg linker Hand in die Hofstelle des Ebenhofes. Seine ehemaligen Anlagen sind noch am besten zu erkennen. Dieser Hof wird 1772 unter Arnstein das erste Mal genannt. Davon besitzen Sebastian und Lorenz Ruhland (Grodl) je einen Halbhof und Mathias Ruhland einen achtel Hof, auf der "Eben" genannt. Am 11. März 1854 wird ein Xaver Meier als Ebenhofbesitzer genannt, es wird Viehwirtschaft betrieben. Der Forst will auch diesen Hof aufkaufen, ein Kauf kommt jedoch nicht zu Stande. Erst am 10. September 1859 wird der Ebenhof zunächst nochmals an Privathand verkauft, wobei das Ehepaar Meier 500 Gulden mehr erzielt, als ihm der Forst 1854 bieten konnte. Erst am 28. September 1876 geht auch dieser Hof, gegen eine Summe von 3.700 Mark, an den Forst über. Er war der kleinste aller Höfe im Böhmerwald und hatte nur 15 Tagwerk Grund. Die Gebäudlichkeiten aller Höfe werden nach der Übernahme vom Forst niedergelegt und die Gründe aufgeforstet. Ein Stadel von einem der Höfe (Wagenhof) wird abgebaut und in Waldmünchen bei Ketterl in der Böhmerstraße 42 wieder aufgestellt. Dort kann man noch die Jahreszahl (1796) in einem Balken eingehauen finden. Viele neue Forststraßen durchkreuzen heute den Böhmerwald, um den letzten Fuhrwerken und Lastkraft wagen die Abfuhr zu erleichtern. Heute ist der Wald voll erschlossen. Man kann gut 250 km markierte Wanderwege dort vorfinden, was in erster Linie dem Waldmünchner Waldverein zu verdanken ist, der heuer (1988) sein 100 jähriges Bestehen feiern konnte und aus diesem Anlasse am sog. Herzogauer "Kirchensteig" eine Kapelle errichtete. Der Wanderer kann sich heute mühelos durch den Waldmünchner Böhmerwald bewegen und denkt in den seltensten Fällen daran, wieviel Schweiß, Müh und Plag dies alles unseren Vorfahren bezw. den Siedlern gekostet haben mag.
Anmerkungen:
Manske, 1968, Höhensiedlungen i. Böhmerwald (Zulassungsarbeit)
Lommer, Geschichte d. Grenzstadt Waldmünchen, 1890, S. 14
Lommer, Geschichte d. Grenzstadt Waldmünchen, 1894, S. 62
Lommer, Geschichte d. Grenzstadt Waldmünchen, 1915, S. 9/10,17, 48/49
Eigenarchiv Hj. Schneider, mündliche Überlieferung der Nachkommen (Aufzeichnungen).
Heimatbote Nr. 2, Waldmünchen, 1985, S. 35 39, v. Hj. Schneider
Die Oberpfalz 1977, Höhensiedlungen im Böhmerwald, von Hj. Schneider
Staatsarchiv Amberg, im Text zitiert.
Aufzeichnungen von Josef Stadibauer, Waldmünchen
Historische Wanderungen zu den Höhensiedlungen i. Böhmerwald, 1988, Volkshochschule
Waldmünchen, Führung Hj. Schneider.