Einsames GrenzgebirgeVon Lam über den Osser zum TanneneckAusgangspunkt unserer ca. 16km langen Wanderung ist der Markt Lam. Gut in die Tourenplanung einbinden lässt sich auch der öffentliche Nahverkehr. So bietet sich an, einen fahrbaren Untersatz am Tanneneck (Absetz) zu parken und mit dem Linienbus nach Lam zu fahren. Ist auch der erste Teil der Strecke hinauf zum Osser gut frequentiert, umso ruhiger und einsamer ist der Zweite. Spätestens nach dem Verlassen des Osserschutzhauses tauchen wir in eine ruhige, urige Landschaft ein. Geprägt vom Sturm Kyrill und einsamen Hochwäldern. Aber der Reihe nach. Nur ein kleines Stück geht´s vom Marktplatz in Lam auf der Straße nach Richtung Lambach. Wir folgen der Markierung L1, welche uns bis zum Ossergipfel begleiten wird. Bereits nach 500m zweigt der Weg ab, hinauf zur Jugendherberge. Bald ist der Ortsrand erreicht und es bietet sich ein erster, herrlicher Ausblick auf den Lamer Winkel bis hinüber zum Arber.
Am Wegkreuz nimmt uns nun der schattige Wald auf. Nach etwas mehr als 100m vom Waldrand und einem Schwenk nach Osten
laden mehrere Ruhebänke zum Verweilen ein, bis wir nach knapp zwei Kilometer unser erstes Etappenziel, das Bergkirchlein
Maria Hilf erreichen. Der Legende nach fand sich hier an einem Baum das Bild der Mutter Gottes, welches immer wieder
zu seiner angestammten Stelle zurückkehrte obwohl es mehrmals vom Baum abgenommen worden war. Als ein fluchender
Holzhauer das Bild beschädigte tat sich ein fürchterliches Unwetter auf und der Mann gelobte eine Kapelle zu errichten.
1752 wurde dann, neben der kleinen Gedenkstätte das "Bergkircherl" gebaut.
Wir folgen dem Bergrücken welcher immer südlich von uns bleibt, hinauf zum "Sattel". Es sind wieder nicht ganz zwei
Kilometer vom Bergkirchlein bis zum Wanderparkplatz. An sonnigen Wochenenden reiht sich hier oft Auto an Auto, ist
doch von hier aus der kürzeste Aufstieg zum Matterhorn des Bayerischen Waldes, wie der Osser manchmal auch liebevoll
genannt wird, zu bewältigen. Steil ragen die stark verfalteten Quarzit-Felsen in die Höhe. Im Geotopkataster Bayern
werden sie als "wertvoll" geführt. Auch die aufgelassenen Stollen der "Fürstenzeche" welche knapp 300 Höhenmeter
unter uns in Richtung Osser vorangetrieben wurden sind als Geotop ausgewiesen. Bereits 1463 hatte man dort begonnen
dem Berg seine Schätze abzuringen. Wurde früher erfolgreich Silber abgebaut, konzentrierte man sich später auf
Flussspat, bis 1962 die Grube geschlossen wurde. Seit 1998 ist sie als Besucher-Bergwerk wieder geöffnet.
Der zunehmend steinigere Weg führt uns bald zu einem Brunnen mit eiskaltem Wasser. Gegenüber sind zwei markante
Felsen mit eingemeißelten Figuren und Zeichen aufgestellt. Sie berichten von der Sage um den Teufelstritt.
Vorlanger Zeit hatte der Burgherr vom Osser seine Seele dem Teufel verpfändet um genügend Geld für seinen verschwenderischen
Lebenswandel von ihm zu bekommen. Der frommen Frau des Ritters gelang es ihren Gatten zu bekehren und er unternahm eine
Wallfahrt. Als der Teufel seine Seele holen wollte fand er die Burg verlassen vor. Vor lauter Zorn sprang er hinunter und
hinterließ mit seinem Huf einen Abdruck im Stein.
Wir überschreiten die Tausend-Meter-Marke und nach dem Queren einer breiten Forststraße, steigt unser Weg steil an.
An der Kreuzung mit einem weiteren, breiten Wirtschaftsweg, welcher linker Hand von Lambach herauf kommt, schwenken wir nach
Süden, hinauf zur Osserwiese. Hat früher hier das Weidevieh die Fläche offen gehalten, wird sie heute durch Pflegemaßnahmen
erhalten um seltenen Tieren wie z.B. dem Bergpieper, diesen Lebensraum zu sichern.
Der ganze Lamer Winkel liegt uns nun zu Füßen, die Aussicht ist phantastisch. Am oberen Rand der Wiese müssen wir uns
entscheiden. Folgen wir dem Pfad weiter, erreichen wir auf kürzestem Weg den Gipfel des Großen Osser. Die andere
Möglichkeit, einen Abstecher hinauf zum Kleinen Osser zu unternehmen ist ebenso reizvoll. Gipfel oder nicht, beide
Varianten treffen bei der Künischen Grenzkapelle wieder aufeinander. Sie wurde 1986 fertiggestellt und alljährlich
am ersten Sonntag im August wird hier Osserkirchweih gefeiert. Nun ist es nicht mehr weit zum höchsten Punkt der Tour.
Das Gipfelkreuz grüßt uns schon. Die Wunden die hier Sturm Kyrill im Januar 2007 in den Wald geschlagen hat, werden
noch viele Jahre brauchen, ehe sie verheilt sind. Die Hütte der Bergwacht Lam ist unsere letzte Station vorm Gipfelanstieg.
Die letzten 150m haben es noch mal in sich. Weit reicht der Blick vom Gipfel hinüber zur Kette der acht Tausender, dem
Kamm vom Kaitersberg bis zum Arber. Und ins Böhmische. An klaren Tagen bis nach Pilsen und manchmal sogar bis zum
Erzgebirge. Jetzt haben wir uns, nach knapp 6,5 km Aufstieg, eine ausgiebige Rast im Schutzhaus verdient.
Für den weiteren Weg gibt es zwei Möglichkeiten. Die direkte Variante folgt dem Lauf der Grenze, wobei der Abstieg
hier Trittsicherheit erfordert und bei nasser Witterung riskant ist. Die andere und empfohlene Möglichkeit besteht
darin, direkt am Schutzhaus nach Tschechien zu wechseln und der weiß-blau-weiß-Markierung zu folgen. Eine Wegschleife
bringt uns nach ca. 250m wieder zurück an die Staatsgrenze welcher wir dann die nächsten 4 km folgen.
Einsam ist die Welt hier oben. Kurz vor dem Jägerhübel, auch Weißer Riegel genannt, wechselt auffällig das Gestein.
War es bisher der graue Glimmerschiefer, treffen wir hier auf hellen Orthogneis aus welchem auch die Künische Kapelle
gebaut worden ist. Am Übergang der beiden Gesteinssorten findet man in Aufschlüssen viele kleine Granate. Leider nicht
in der klaren Form des Schmucksteins.
Einige Windwurfflächen bieten immer wieder weite Ausblicke. Wir überqueren die Brandwiese und verlassen die Grenze an
der Stelle, an der sie auffällig, fast im rechten Winkel, die Richtung wechselt. Der Kamm vom Osser her ist nicht nur
Grenzlinie aus althergebrachter Zeit (wie Kugel rollt und Wasser rinnt),
sondern auch europäisch Hauptwasserscheide. Die böhmischen Wasser fließen in die Úhlava und letztlich in die Nordsee
und auf der bayerischen Seite nimmt der Weiße Regen das Wasser auf welches dann mit Regen und Donau ins Schwarze Meer
fließt. Der Wanderweg R4 bringt uns nun nach ca. 100m an einen kleinen Bildstock und weiter zum Zwieseleck mit guter Aussicht
zum Osser und Arber. Es folgt ein längeres Wegstück bis zum "Roten Kreuz". Kurz vor dem rot lackierten Wegekreuz
wechseln wir von Markierung R4 auf R5 welcher wir bis zum Tanneneck folgen. Das letzte Teilstück unserer Wanderung
besteht aus einem romantischen, kleinen Pfad. Bergauf, bergab immer am Grad entlang, teils über bizarre Felsgebilde
hinweg, ehe wir unser Ziel, das Tanneneck erreichen.
|