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Geschichte des Schutzhauses auf dem Osser
Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 05.04.2008, von Otto Neidhardt
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Wolfgang Reimer)



Chronik einer Entwicklung: Vom Bretterschuppen bis zur modernen Unterkunft

Lam. Am 10. Februar 1884 wurde auf Initiative des königlichen Grenzoberkontrolleurs M. Schweiger im Hotel zur Post in Lam die Sektion Lam-Lohberg des Bayerischen Wald-Vereins gegründet. Die Ziele waren die Erschließung des Bayerischen Waldes als Wander- und Urlaubsgebiet, die Schaffung eines dichten Wanderwegenetzes mit Anbindung an den Böhmerwald sowie die Errichtung von Schutzhäusern. Schon 1885 erkannte man die Notwendigkeit einer Schutzhütte auf dem Osser. Bezirksbautechniker Wild in Kötzting erstellte den Plan und der "Centralverein" gewährte einen Zuschuß von 150 Mark. Am 6. September 1885 stand die erste Hütte. Es handelte sich um einen Bretterschuppen, der 30 Personen Unterschlupf gewährte. Schon am 30. August 1885 hat der Chronist vermerkt, dass dort zwei Fässer Bier geleert wurden.

Erhebliche Mengen Bier
Und gar oft ist in der Chronik vermerkt, dass die Mitglieder in den Ausschusssitzungen Liebhaber des edlen Gerstensaftes waren und in den Sitzungen erhebliche Mengen davon konsumiert wurden. Die Kosten für die erste Hütte beliefen sich auf 136,30 Mark. Der Anstrum der Wanderer auf den Hausberg des Lamer Winkels dürfte seinerzeit so groß gewesen sein, das man sich bereits am 14. März 1897 entschloss, ein Schutzhaus auf den Osser zu bauen. Die Kosten wurden auf 900 Mark veranschlagt und am 24. Mai 1897 wurde mit dem Bau begonnen, der am 10. Juli 1897 fertiggestellt wurde. Der Holzbau hatte etwa 25 bis 30 Quadratmeter Bodenfläche und bestand aus einem Schankraum und einem zwei Meter breiten Nebenraum, den der Wirt als Schlafgemach nutzte. Der Kostenvoranschlag wurde um 200 Mark überschritten und am 15. August 1897 fand die Einweihung statt.

Tourismus- Pioniere
Der erste Osserwirt war Johann Dengscherz aus Hammern. Er musste 45 Mark jährliche Pacht zahlen, die in den folgenden Jahren nach und nach auf 100 Mark erhöht wurde. 1901 wurde eine Küche angebaut und 1907 wurde das Haus um zwei Schlafräume erweitert und der Keller vom böhmischen Grund auf die bayerische Seite verlegt. 1910 wurde das Osserschutzhaus von Lambach aus an das Fernsprechernetz angeschlossen und in diesem Jahr die Pacht auf 700 Mark erhöht. Es war die gute alte Zeit, die jäh durch den Beginn des Ersten Weltkrieges beendet wurde. Erst am 7. Juni 1923 findet sich wieder eine Eintragung in der Chronik. Damals hatte Lohberg eine eigene Sektion gegründet und sich von Lam getrennt. Nach den Inflationsjahren nahm die Wandertätigkeit wieder zu und der Waldverein leistete wertvolle Pionierarbeit für den aufkommenden Fremdenverkehr. Der Wintersport entwickelte sich aus den Kinderschuhen und 1931 sah sich die Sektion Lam gezwungen, unter großen finanziellen Opfern das Schutzhaus so zu vergrößern und aufzustocken und mit Fremdenzimmern zu versehen, wie es heute noch auf dem Osser steht. Am 3. Februar 1932 war die Einweihungsfeier, bei der der Sektion vom Hauptverein nahegelegt wurde, mit dem Grundstücksbesitzer einen Pachtvertrag abzuschließen und sich in das Vereinsregister eintragen zu lassen, was am 10. Mai 1932 geschah. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegswirren unterbanden jedwede Vereinstätigkeit. Auf Veranlassung der Besatzungsmacht musste das Osserschutzhaus geräumt werden. Das Mobiliar wurde in Lambach sichergestellt, bis die Pächter im Mai 1946 wieder aufziehen konnten. Am 23. März 1949 wurde die Sektion Lam wieder neu ins Leben gerufen. Am 29. Juli 1951 feierte man am Ossergipfel das 50-jährige Bestehen nach. Dazu hat das Haus ein neues Schindeldach bekommen und viele Reparaturen am Haus haben die Vereinskasse aufs Neue geschröpft.

Geschenkter Gipfel
Aber 1961 konnte der Chronist einen Höhepunkt in der Geschichte des Osserschutzhauses und der Waldvereinssektion Lam verzeichnen. Der Vorsitzende, Gutsbesitzer Albert Willmann von Lambach, schenkte den Ossergipfel mit dem Schutzhaus seiner Heimatsektion. Am 21. August 1961 erfolgte die Vermessung der vorher abgesteckten Fläche durch das Vermessungsamt Cham unter Vergießen manchen Schweißtropfens auf dem felsigen Gelände. Durch den Kötztinger Notar wurde am 3. Mai 1962 die Messungsanerkennung beurkundet und die Eintragung einer Fläche von 1,51 Tagwerk mit dem Haus Nr. 190, Lam, beim Amtsgericht Neukirchen b. hl. Blut vollzogen.

Hohe Investitionen
1997 bis 1998 wurde ein erneuter Umbau mit einem Kostenaufwand von 170000 Mark erforderlich, den die exponierte Lage und die stetig steigende Besucherfrequenz zumal nach der Grenzöffnung 1990 erzwang. Gastronomische und hygienische Erfordernisse haben bis 2006 erneut Kosten von 130000 Euro verursacht. So musste die Quelle gefasst und das Wasser mit einer Pumpe über 100 Höhenmeter befördert werden, was dem Sturm Kyrill am 18./19. Januar 2007 gar nicht passte: Die Wurzelteller der umgestürzten Fichten rissen die Wasserleitung aus dem Boden und zerstörten sie. Die Trockentoiletten mussten in Spülklosetts umgerüstet und eine riesige Kläranlage mit einem Pflanzenteich zur Nachklärung gebaut werden. Zur Energie- und Wärmeversorgung wurde ein Gas-Blockheizkraftwerk, das ein Hubschrauber zum Gipfel beförderte, eingebaut und ein neuer Küchenofen installiert. Ein neuer Materiallift und die Isolierung der Wände waren nicht das Letzte, was die Sektion Lam in ihr Sorgenkind "Osserschutzhaus" investiert hat. Gut, dass es 50 Prozent Zuschuß gab.

Die Unterlagen für diesen Bericht wurden dankenswerterweise von Franz Reuel und Vorstand Norbert Lemberger von der Waldvereinssektion Lam zur Verfügung gestellt.

Die Pächter des Osserschutzhauses
1897 bis 1910 Josef Dengscherz, Hammern
1911 bis 1937 Josef und Josefa Huber, Lam
1937 bis 1941 deren Sohn Josef und dessen Frau Kathie Huber
1941 bis 1943 Josefa Huber
1943 bis 1955 Anton und Maria Fürtsch, Eisendorf bzw. Höritz im Böhmerwald
1955 bis 1978 Franz und Betty Kaml, Lam
1978 bis 2001 Siegfried und Sissi Kaml, Lam
2001 bis heute Sebastian und Angela Augustin, Eschlkam