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Cesky Les - Böhmischer Wald
Script einer Radiosendung von Radio Prag vom 15.04.2000, von Danilo Höpfner und Markéta Maurová
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch Radio Prag, Frau Martina Stejskalova)



ČESKÝ LES - BÖHMISCHER WALD
Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, wir sind da mit einer neuen Touristensprechstunde. Wir werden heute Richtung Westen reisen, bis hin zur Grenze zwischen Böhmen und Bayern. Dort erstreckt sich ein Gebirge, das zwar niedriger und weniger berühmt ist als beispielsweise der Böhmerwald oder das Erzgebirge, dennoch aber viele Schönheiten verbirgt. Die dichten Wälder waren es, die der Bergkette ihren Namen gaben: (Český les) Böhmischer Wald auf der tschechischen und der Oberpfälzer Wald auf der deutschen Seite. Gute Unterhaltung wünschen Danilo Höpfner und Markéta Maurová.

Čerchov, zu Deutsch Schwarzkopf ist der höchste Gipfel des Böhmischen Waldes, auf dem wir unsere heutige Wanderung beginnen. Der 1042 Meter hohe Berg ist zugleich ein unverzichtbares Symbol der ganzen Landschaft um Domažlice (Taus). An der schon jahrhundertealten Geschichte des Berges begannen zuerst die Mitglieder des Klubs tschechischer Touristen im Jahre 1894 zu schreiben, als sie auf dem nackten Schwarzkopffelsen einen hölzernen Aussichtsturm errichteten. Schon Anfang der 90er Jahre kämpften böhmische und bayrische Wanderer um die Möglichkeit, den Turm zu errichten. Die Bayern äußerten zwar früher ihr Interesse, ihr Gesuch wurde jedoch vom Herrschaftsbesitzer, Graf Stadion, nicht erhört. Die Erlaubnis und sogar eine finanzielle Unterstützung gewann dagegen die Abteilung des Klubs tschechischer Touristen in Domažlice (Taus). Der Zimmermannmeister Jakub Zelenka verarbeitete einen Plan und innerhalb von 33 Tagen baute er mit seinen Gehilfen einen dreistöckigen, 17 Meter hohen Holzturm. Die feierliche Eröffnung am 15. Juli 1894 wurde zu einem bedeutenden Ereignis für die ganze Region, weil es sich für den ersten tschechischen Bau dieser Art in dieser Ecke Böhmens handelte.

Die Nähe des von tschechischen Patrioten häufig besuchten Česká Kubice (Böhmisch Kubitzen) und die Naturschönheiten des Berges selbst bewirkten, dass 1897 unterhalb des Aussichtsturmes eine gemütliche Gastwirtschaft für den Klub tschechischer Touristen errichtet wurde. Die Hütte wurde nach dem Mäzen Pasovsky genannt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand an Stelle des alten Turmes schließlich ein neuer Turm aus Stein, der sog. Kurzturm. Auch die Hütte darunter wurde erweitert und für den ganzjährigen Aufenthalt des Wirts und dessen Gäste hergerichtet.

Die durch ihre Atmosphäre fast mystischen Abende auf dem verschneiten und von der Zivilisation abgeschnittenen Schwarzkopf gehören zu den unvergessenen Erinnerungen aller einstiger Touristen aus Taus. Heute wird der Berg wieder von Touristen besucht, von einem Symbol der Waldeseinsamkeit kann man längst nicht sprechen. Der Berg wurde nämlich zunächst von der deutschen und in den 50er Jahren von der tschechoslowakischen Armee besetzt, die das Aussehen des Gipfels wesentlich beeinflusst haben. Der ehemalige Aussichtsturm erhebt sich sehr unscheinbar aus dem Gewirr der militärischen Objekte, die in der Vergangenheit in einen Ring von Stacheldrähten eingeschlossen wurden. Den ganzen Platz beherrscht ein unansehnlicher, für militärische Zwecke gebauter Radar-Turm. Werfen wir daher lieber einen Blick zurück in die Vergangenheit und erinnern wir uns an einige Zeilen eines alten Bergführers, welchen Zauber der Berg in der Vergangenheit hatte.

"Kaum kommt man zum Aussichtsturm, geht einem schon der Wirt höflich entgegen, drückt einem freundschaftlich die Hand, begleitet dich hinein. Und du traust Deinen Augen kaum: Du weißt, dass Du 600 (Meter) hoch über dem Chodenland bist, und doch kommt es Dir vor, als wärest Du in einem Chodenzimmer. Dunkle Balken, im Winkel die Jungfrau Maria und über ihr der gekreuzigte Heiland, eine Eisenstange über dem Kamin, Möbel, gemaltes Geschirr in einem Regal - all das bestätigt die Täuschung, aus der Dich das liebe Gesicht der Vorsitzenden des Klubs herausführt, die freundlich auf dich von einem Bild herabblickt, und im Winkel hinter dem Kamin die Zeichen der böhmischen Krone ... Wenn Du alles angesehen und Dich vielleicht ein wenig erholt hast, dann lenken Deine ersten Schritte sicher hin zum Aussichtsturm. Du erwartest viel und Dein Warten wird nicht enttäuscht werden ..."


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Unter dem Böhmischen Wald - es handelt sich um einen ehemaligen Grenzwald - verstehen wir gewöhnlich die uralte Grenze zwischen Böhmen und Deutschland. Das Gebirge erstreckt sich auf der westlichen Grenze Tschechiens, etwa zwischen Domažlice (Taus) im Süden und Cheb (Eger) im Norden.

Das Gebiet wechselte mehrere Male seine Bewohner. Schon in der Urzeit siedelten dort Kelten, was archäologische Funde belegen. In den ersten vier Jahrhunderten unserer Zeitrechnung wird die Anwesenheit der Germanen vorausgesetzt, die Archäologen haben jedoch keine direkten Belege dafür. Seit dem 7. Jahrhundert kolonisierten die Slawen das Untergebirge des Böhmischen Waldes. An den Steigen zu beiden Seiten des ausgedehnten Grenzwaldes entstanden befestigte Wachstationen. Die Grenze war aber damals noch nicht festgelegt. Erst zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert begann sich der Grenzverlauf zu festigen. Im Böhmischen Wald entstanden die ersten Kolonistensiedlungen.

Im Jahre 1040 kam es in der Landschaft des Böhmischen Waldes zu einer bedeutenden Schlacht. Auf dem Kriegsfeld trafen sich die Heere des böhmischen Fürsten Bøetislav I. mit Deutschen unter Heinrich III. Bei der Schilderung der Schlacht begegnen wir zum ersten Mal den Choden, freien Bauern, die die Landesgrenze um die Stadt Domažlice (Taus) bewachten. Ihre einzigartige Kultur werden wir später einmal näher betrachten, zumindest die typische Musik aus dieser Region begleitet aber schon unsere heutige Sendung.
Die Struktur der Bevölkerung änderte sich im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte. Noch im Mittelalter kamen Kolonisten aus Bayern, nach dem misslungenen Aufstand der böhmischen Stände im Auftakt des Dreißigjährigen Krieges auch deutsche Inhaber der Adelsgüter. Es kam zur intensiven Germanisierung des Großteils des Böhmischen Waldes. Tschechisch blieb nur das Chodenland.

Die Glasherstellung war einer der wichtigsten Bereiche, die die Bergbevölkerung ernähren konnte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begann man jedoch allmählich auch einen ganz neuen, bislang unbekannten Reichtum dieser Region zu entdecken: die Ruhe und die einfache malerische Schönheit der hiesigen Landschaft. Die ersten Touristen und Ausflügler wanderten auf Waldpfaden. Es entstanden die ältesten Herbergen und 1894 auch der schon erwähnte Aussichtsturm auf dem Schwarzkopf.

Das 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen und zwei Aussiedlungswellen hat in das Leben im Böhmischen Wald erheblich eingegriffen. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten deutsche Bewohner die Landschaft verlassen. Nach der Errichtung des "Eisernen Vorhangs" hat man aber in den Grenzdörfern auch ihre neuen Bewohner wieder ausgesiedelt. Grund war die neue Grenze zwischen den beiden großen Systemen. Die verlassenen Ortschaften wurden, ohne dass man zumindest eine Fotodokumentation angelegt hätte, dem Boden gleichgemacht. Eine ganze Hälfte des Zentralteils des Gebirges war völlig unzugänglich und vom Landesinnern durch eine Grenzsperre abgeschnitten. Anfang der 50er Jahre wurde im breiten Grenzgürtel das unrühmliche System der Grenzsperren errichtet, das an die elektrische Hochspannung angeschlossen wurde. Die verlassenen und eingeebneten Dörfer verliehen der Landschaft - mit ausgeraubten und verödenden Schlössern, Kirchen, Pfarreien und zerstörten Friedhöfen, eine bedrückende Atmosphäre der Verlassenheit.

Erst nach 1989 öffnete sich die Landschaft wieder allen Leuten. Wie alles Negative, haben auch die langen Jahre der Isolierung und Unzugänglichkeit des Böhmischen Waldes auch etwas Positives bewirkt: Wir finden dort heute ein vor allem ökologisch nicht beeinträchtigtes Land und wunderschöne Natur.