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20 Stuck Auerwild am Čerchov ausgesetzt
Artikel aus der Chamer Zeitung vom 21.10.2006, von Karl Reitmeier
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Karl Reitmeier)



Erfolgreiche Wiedereinbürgerung des Auerhahns
Seit 1999 bereits 103 Tiere ausgesetzt

Furth im Wald. Seit 1999 wird im Čerchov Gebiet sehr erfolgreich die Wiedereinbürgerung des Auerhahns, der zur Familie der Raufußhühner gehört, betrieben. Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit: 20 Stück Auerwild wurden in die freie Natur entlassen und zwar 15 Hennen und fünf Hähne. Damit wurden bisher 103 Stück Auerhähne beziehungsweise -Hennen am Čerchov ausgesetzt. Der Leiter der Städtischen Wälder Domažlice, Forstdirektor Jan Benda ließ wissen, dass es in der gesamten Tschechischen Republik insgesamt fünf Auerhahnprojekte gibt. Die erfolgreichste Wiedereingliederung sei dabei laut tschechischem Umweltministerium im Čerchovgebiet zu verzeichnen und darauf ist Benda zu Recht stolz. Die Aussetzungsaktion am Donnerstag begann mit einer Pressekonferenz bei der Waldhütte unter dem Brunnhäusl (Lesní chata pod vodárnou), den meisten wohl besser bekannt als Bendahütte in 875 Meter Höhe. Dabei überraschte der Auerhahn-Beauftragte der Städtischen Wälder Domažlice, Vaclav Fishr, mit einer beeindruckenden Präsentation mittels Laptop über die erfolgreiche Auerhahn-Wiedereingliederung am Čerchov. Forstdirektor Jan Benda verwies auf einen Brief aus dem Jahre 1929, als der damalige Leiter der Stadtwälder an das Rathaus schrieb, dass soviele Auerhähne im Čerchov-Gebiet sind und einen großen Schaden bei den Fichten angerichtet haben. Im Jahre 1933 wurden noch sieben Auerhähne im Bereich der Čerchov-Waldungen geschossen. Danach starb der Auerhahn aus. Im Jahre 1998 legte das Umweltministerium in Prag ein Programm zur Wiedereingliederung des Auerhahns auf. Ein Jahr später wurde dieses Programm am Čerchov bereits in die Tat umgesetzt, da es als das geeignetste Gebiet im Böhmischen Wald betrachtet wurde. Einige der stattlichen Vögel wurden auch mit Sendern versehen und zwar im Jahr 2000 waren es drei, 2001 dann sieben, 2003 und 2005 je drei. Insgesamt waren es zwölf Hähne und vier Hennen. Die Auerhähne wurden von den Städtischen Wäldern Domažlice in einer Aufzuchstation in Norddeutschland gekauft und zwar in Bremen. Der Stückpreis liegt bei stattlichen 14000 Kronen (rund 400 Euro). Die Tiere wurden zu 100 Prozent durch das tschechische Umweltministerium bezuschusst. Insgesamt 21 Tage verbrachten die rund ein halbes Jahr alten 20 Auerhähne bzw. -hennen zur Akklimation in der Voliere auf 925 Metern Höhe unter dem Čerchov. Dort wurden sie vom Auerhahn-Beauftragten Vaclav Fishr gefüttert, bestens betreut und beobachtet. Es wurde berichtet, dass sich vom bisher ausgesetzten Auerhahn-Bestand noch zehn Tiere in den Städtischen Wäldern Domažlice aufhalten. Andere Auerhähne haben sich in anderen Gebieten angesiedelt, zum Teil sind sie auch auf bayerischem Gebiet gelandet. Viele sind aber auch ihren natürlichen Feinden wie Luchs, Fuchs und Marder zum Opfer gefallen. Bei dieser Gelegenheit wurde darauf hingewiesen, dass sich auf der 70 000 Hektar großen Jagdfläche der 47 Jagdvereine im Kreis Domažlice rund acht Luchse aufhalten.In diesem Zusammenhang wurde von einer "großen Emigration" gesprochen. Erfreut ist man darüber, dass die eingesetzten Auerhennen auch schon Junge bekommen haben. Sie legen übrigens bis zu acht Eier. Auerhahn Nachwuchs wurde auch bereits am Starý Herštejn (Hirschstein) entdeckt. Als beste Lokalität im Bereich des Čerchov für den Auerhahn bezeichnete Jan Benda das Gebiet um den Fichtenfels. Auerhähne brauchen stille, lichte Nadelwälder und Mischwälder mit Sümpfen und Mooren. Auf dem Boden müssen viele Kräuter und Beeren, zum Beispiel Blaubeeren wachsen. Und sie brauchen Bäume, auf die sie sich zum Schlafen zurückziehen können. Der Auerhahn ist ein hochspezialisierter Pflanzenfresser. Im Sommerhalbjahr ernährt er sich fast ausschließlich von Heidelbeerblättern und Beeren, daneben auch von Grassämerei und jungen Sprösslingen. Als Küken in den ersten Lebenswochen sind die Auerhähne auf tierisches Eiweiß in Form von Insekten angewiesen, wobei das Angebot an reicher Nahrung sehr stark vom Witterungsverlauf abhängt. Im Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Nadeln und Knospen von Kiefer, Fichte, Tanne und Buche. Zum Aufschließen und Zermalmen ihrer Nahrung nehmen die Auerhüher Magensteinchen, sogenannte Gastrolithen auf. Auerhühner werden etwa so groß wie ein Truthahn und messen vom Schnabel bis zum Schwanz bis zu 120 Zentimeter. Auerhähne können zwölf Jahre, manchmal auch bis zu 18 Jahre alt werden.