Klettergebiete, Nationalpark, NaturparkArtikel von Herwig Decker(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors) Im nachfolgenden Artikel nimmt Herwig Decker Stellung zu den geplanten Felssperrungen am Kaitersberg welche seit Oktober 2008 zur Diskussion stehen. Außerdem werden die Themen Tourismus im Nationalpark und Naturpark aus einem interessanten Blickwinkel heraus beleuchtet. Wirklich wertvolle Klettergebiete Wer meint, Felsklettern sei das Privatvergnügen einiger weniger risikoverliebter Spinner, ist auf dem falschen Dampfer. Klettern ist heute eine weit verbreitete, gut erlernbare und sichere Sportart mit einem ungeheuren Erlebnispotential - quer durch alle Generationen und auch im Bayerischen Wald. Die seit Jahren von der Staatsregierung forcierte Integration des Kletterns in den Schulspart ist nur ein Zeichen dafür. Der Kaitersherg ist das Herzstück der Kletterszene in Unserer Region. Zwischen den Alpen und dem oberpfälzer / fränkischen Jura gibt es in ganz Bayern kaum vergleichbare Klettermögliehkeiten. Mit der Sperrung von fünf der sieben Klettergebiete am Kaitersberg würde rund die Hälfte der gesamten Kletterwege im Bayerisehen Wald und Böhmerwald verloren gehen. Ganz klar: Die Interessen des Naturschutzes und die Interessen der Klettersportler müssen sich treffen. Es gibt wohl kaum einen Kletterer der nicht dahei wäre. Im Gegenteil: Kletterer sind die „geborenen" Verbündeten der Naturschützer. Ihre Motivation ist die unmittelbare Begegnung mit einer intakten Natur. Sie würden den Teufel tun, sich diese Begegnung zunichte zu machen. Es geht also um ein vernünftiges Abwägen der Interessen. Dazu gehört ein Aspekt, der über Einzelinteressen hinausreicht und unsere Region im Auge hat: Die gute und wichtige Erweiterung des Nationalparks hat dem Naturpark Oberer Bayerischer Wald (flächengleich mit dem Landkreis Cham) zwei Chancen beschert. Zum einen ist der Nationalpark sehr nahe gerückt. Er beginnt gleich unterhalb des Brennes in Bayerisch Eisenstein und bietet mit dem „Haus zur Wildnis" in Ludwigsthal ein äußerst attraktives Ziel. Die andere Chance wurde bisher kaum erkannt (vielleicht darf man gar nicht laut darüber nachdenken): Der relativ (!) freie Erlebnisraum Natur befindet sich heute nördlich des Nationalparks - große Bereiche des Arbers, Osser, Zwercheck, Kaitersberg, Mühlriegel / Ödriegel / Enzian, Hoher Bogen. Unter Beachtung aller bestehenden Regeln gibt es an diesen Bergen Möglichkeiten, die es im erweiterten Nationalpark nicht mehr gibt. Jetzt könnten viele Regionalentwickler nachdenken: Wo im Bayerischen Wald kann man seinen Weg frei wählen? lm Sommer und auch im Winter mit Schneeschuhen, Langlauf- oder Tourenskiern? Wo kann man beliebig die Grenze überschreiten? Wo kann man klettern? Wo Gleitschirm fliegen? Wo darf man einen halbwilden Bach mit dem Kajak befahren? Wo kann der Bergradler seine Drei-Tages-Tour (fast) nach Gusto zusammenstellen? Dass dafür echte Nachfrage besteht bei Waldlern und Urlaubern - ist Fakt. Der Outdoor-Boom der letzten Jahre ist ein Zeichen dafür. Dass an einem schönen Winter-Sonntag rund 150 Tourengeher am Arber unterwegs sind, ein anderes. Bitte nicht falsch verstehen. Ich rede mit Sicherheit nicht der ungebremsten Outdoor-Industrie das Wort. Die Vielfalt ist mein Thema. Dort Naturschutz in seiner strengsten Form und hier eine vernünftig gelenkte, nachhaltige und unmittelbare Begegnung mit der Natur. Dort Wildnis betrachten und hier Wildnis spüren, am eigenen Leib. Der Bayerisehe Wald hat viel zu lange nur um Senioren und junge Familien geworben. Die fliegen heute für 250 Euro die Woche in die Türkei. Was wir zu bieten haben, ist „das kleine Abenteuer". (Das große findet im Hochgebirge statt, ganz klar - ist aber nicht Jedermanns Sache.) Ein Teil dieses „kleinen Abenteuers" sind auch die Kletterrouten am Kaitersberg. An diesen Kletterfelsen wächst der „Gekräuselte Rollfarn" - schützenswert, ohne Frage. Aber: Gibt es ihn denn wirklich nur in den umstrittenen fünf Klettergebieten? Oder etwa auch an anderen Stellen des um ein Vielfaches größeren Kaitersberges? Vielleicht auch am Osser, Arber, Falkenstein, Rachel, Lusen, Dreisessel? Wirklich wertvolle Klettergebiete gibt es weit und breit nur am Kaitersberg. Dort machen sie 0,04 Prozent der Gesamtfläche aus - nicht mehr und nicht weniger. Wir würden viel verschenken ... |