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Geologische Entwicklung und Landschaftsgeschichte
entnommen aus den Erläuterungen der geologischen Karte Blatt Nr.6542 Untergrafenried und zum
Blatt Nr. 6642 Waldmünchen von Dr. Hubert Mielke
die Passagen sind wörtlich entnommen, fehlende Textstellen mit "..." gekennzeichnet. Der hier wiedergegebene Teil beschränkt sich auf die geologische Entstehung, die vier hauptsächlich vorkommenden Gesteinsarten, die hydrologischen und die klimatischen Gegebenheiten und die Moorvorkommen rund um Geigant
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch das
Geologische Landesamt Herr Martin Hezel)




Die geologische Entwicklung unseres Gebietes, die erst im letzten Abschnitt das
uns vertraute Landschaftsbild gestaltete, umfasst die unvorstellbare Zeitspanne
von ca. 2600 Millionen Jahren.
...
Viele Gneise verraten im Handstück ... eine sedimentäre d.h. von Wasser und Wind
geprägte Entstehung. Von einem unbekannten Hochland wurde Verwitterungssschutt
in ein flaches Meeresbecken transportiert. Mit diesem Material gelangten auch ur-
sprünglich in magmatischen Gesteinen des Hochlandes gebildete Zirkone zur Ablager-
ung. ... Es war vor ca. 2600 bis 1900 Millionen Jahren, in der Zeit des
Präkambriums.
...
Auf die Zirkonenbildung folgte eine nicht näher bestimmbare Epoche der Verwitter-
ung der Hochlandsgesteine, d.h. der chemischen und physikalischen Zerlegung des
Gesteins und letztlich der Bildung des Sediments nach einer unbekannten Transport-
dauer des verwitterten Materials, und schließlich die Anhäufung unserer Zirkone
in bestimmten Lagen und Bändern. Wir haben das zweite Ereignis: die Sediment-
bildung, die Anlage der meisten Gesteine des Blattbereichs. In einem "Indizien-
prozess" war es möglich, diesen Zeitraum der Ablagerungen, an dem auch Vulkanis-
mus teil hatte, auf die Zeitspanne vor 560 bis 400 Millionen Jahre einzuengen, die
Zeit des Kambroordoviziums. Ein Hinweis war das Auffinden von problematischen
Lebensspuren, denen an anderer Stelle in fossil belegbaren Gesteinen dieses
Alter zugeschrieben wird.
...
Diese Sedimente hatten einen Mineralbestand der mit den heutigen noch sehr wenig
gemein hat. Petrologische Laboruntersuchungen zeigen, dass die ursprünglichen
Minerale, die letztlich dem Verwitterungsschutt unseres alten Hochlandes entlehnt
waren, zunächst hohen Drucken ( 6-7 kbar ) und hohen Temperaturen ( ca. 650°C )
ausgesetzt waren bei gleichzeitiger Faltung des Gesteins. Die Minerale des
Ausgangsgesteins wandelten sich in solche um, die den erhöhten Temperatur- und
Druckverhältnissen angepaßt waren. Die Gesteine wurden metamorph. In dieses
Geschehen fällt auch die Anlage der tektonischen Scher-(s)-Flächen. Das Dünn-
schliffbild zeigt weiter, dass diese Mineralvergesellschaftung
(Hochdruckparagnese) mit Granat, Staurolith und Disthen einer Mineralvergesell-
schaftung weichen mußte, die hochtemperierte Niederdruckbedingungen signalisiert.
Biotit wird instabil und wandelt sich unter Abgabe von Wasser in Cordierit um.
Das freiwerdende Kalium wird zur Bildung von Kalifeldspat herangezogen.
Hellglimmer ist nicht mehr existent und wird unter Abgabe von Wasser und K2O in
Sillimanit umgewandelt. Bei Temperaturen von ~750Grad Celsius und Drucken von
ca. 3kbar kommt es zu mehr oder weniger starken Aufschmelzungen. In diese Phase
der Metamorphose fällt die Bildung der Nebulite und Agmatite.
...
Versenkung unserer Sedimente in große Tiefen (bis mehrere Zehnerkilometer),
Verfaltung der Gesteine, Anlage der s-Tektonik, Bildung der Hochdruckparagnese.
...
Nachlassen des Druckes, Bildung einer Niederdruckparagnese mit teilweisem
Aufschmelzen der Gesteine.
Leider lassen sich die beiden Ereignisse physikalisch nicht genau trennen.
Sie vielen in den Zeitraum vor 480 - 430 Millionen Jahren, den das Ordoviziums.
...
Anlage eines Kluftnetzes mit tektonischen Störungen im noch hochtemperierten
(~700°C ), aber nicht mehr plastisch reagierenden Gestein. Eindringen von
Aplitgraniten und Mantelmaterial (Gabbros) in das tektonische Kluftnetz. ...
Diesem Vorgang ließ sich ein Alter von 340 - 310 Millionen Jahren (ma) zuschreiben,
die Zeit etwa des Karbons.
...
Das Gestein beginnt abzukühlen, die Temperatur sinkt unter 350°C. Das Abkühlalter
läßt sich mit physikalischen Methoden rekonstruieren. So wurde eine Temperatur
von 500°C vor 318ma unterschritten. 300°C wurden vor 315ma erreicht. ...
Nochmals dringen Ganggranite in den Gesteinskörper ein. Diese zeigen keinerlei
metamorphe Überprägung. Ihre Intrusionszeit fällt in den Zeitabschnitt
310 - 280 Millionen Jahren, die Zeit des ausklingenden Karbons.
...
Bei nachlassender Subduktion erfährt das leichte Krustenmaterial im es umgebenden
dichten, schweren und plastischen Mantelmaterial einen starken Auftrieb. Das
leichte Krustenmaterial, unsere nun zu Gneisen gewordenen ehemaligen Sedimente,
versucht wieder in ein ihm nach der Dichte entsprechendes Niveau zu gelangen.
Das leichte Gestein steigt im schweren umgebenden Gestein auf wie Eis, das
unter Wasser gedrückt wurde. Es gelangt wieder in oberflächennähere Bereiche,
kühlt sich unter 200°C ab, steigt den Ozean verdrängend, zum Gebirge auf. Das
Abkühlungsalter ist nicht einheitlich zu bestimmen. Dies ist darauf zurückzu-
führen, dass der ganze Bereich entlang der Störungen in Blöcke zerlegt,
verschieden schnell aufstieg. Dieser Prozeß dauerte ca. von vor 280 Millionen
Jahren bis 210 Millionen Jahren, die Zeit des Perm und der Trias.
...
Geologische Befunde der näheren Umgebung zeigen, dass unser Bereich während der
Zeit des Perm und der Trias (285 - 195 Millionen Jahre) ein von zahlreichen Becken
und Schwellen gegliedertes Hochland war. Von diesem Hochland wanderten große
Schuttmengen in das germanische und südliche Triasbecken.
...
In der Zeit des Jura (195 - 140 Millionen Jahre) dürfte des Oberpfälzer Wald zu
einem großen Teil vom Jurameer überflutet gewesen sein.
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Zur Zeit der unteren Kreide, vor etwa 140 Millionen Jahren, steigt unser Gebiet
über das Meeresniveau. Die dem Kristallin auflagernden Sedimente des Perm, der
Trias und des Jura werden bis auf wenige Reste in Senkungsbereichen abgetragen.
... Im Untercenoman der oberen Kreidezeit (vor ca. 100 Millionen Jahren) dringt
aus dem niederösterreichischen Raum ein Meeresarm über unser Gebiet bis in die
Gegend von Bayreuth vor. Bereits in mittleren Cenoman wird dieser Meeresausläufer
wieder durch tektonische Hebungen zurückgedrängt, seine Ablagerungen in unserem
Bereich erodiert. In der jüngeren oberen Kreide dürften an tektonischen Senkungs-
gebieten gebundene Urtäler bereits angelegt gewesen sein. In der obersten Kreide,
vor ca. 70 Millionen Jahren (Coniac-Zeit), dringt das Meer von Südosten kommend
nochmals ins unser Gebiet vor. Sehr wahrscheinlich waren von dieser Überflutung
nur die den tektonisch Schwächezonen folgenden Urtäler betroffen. Verebnungen in
den Talprofilen, verbunden mit rotgefärbten, glatten und gerundeten Felsfrei-
stellungen (Brandungsbereich) sowie eine hier verbreitete Schotterüberstreuung mit
einzelnen rotgefärbten Gröllen, deuten darauf hin.
...
An der Wende Kreide/Tertiär, vor ca. 65 Millionen Jahren, entwickelte sich eine
starke Schollentektonik. Die Bewegungen folgten dem in der Karte dargestellten
Störungssystem. Sie bewirkten das unmittelbare Nebeneinanderliegen von Gebieten
mit tiefgründig verlehmten Gneis und gehobenen Bereichen, die ihre Verwitterungs-
decke durch den Hebungsvorgang verloren haben. Umgelagerte Schotterreste in
lehmiger Bindung zeichnen, Verebnungen der Hangprofile folgend, alte, meist
Nord-Süd verlaufende Talformen nach; so im Osten der Achse Schafberg-Chodov, im
Westen der Achse Katzbach-"im Sattel" folgend. Durch ENE-WSW streichende Schwellen
werden diese alten Täler unterbrochen. Nördlich einer Schwelle
Obernried-Katzbach-Butterbrand entstand bei Geigant wohl gegen Ende des Tertiärs
ein See, in dem als Sedimente Tone, Sande und Biotitseifen abgelagert wurden.
Noch in einer alten Karte von Philipp Apian von 1568 sind letzte Reste dieses Sees
bei Sinzendorf angegeben. Auch der Name Zillendorf (Zille, Flußkahn) weist auf
ein schiffbares Gewässer hin.
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Betrachtet man die Erosionsfortschritte im Bereich der Hochlagen mit ihren
langegezogenen Felsmauern, so liegt der Schluß nahe, daß dieses Gebiet nochmals
ganz junge Hebungen, eventuell zu Beginn des Pleistozäns, erlitten hat. Die
Erosion konnte hier in den angehobenen Schollenbereichen nur das vergruste
Material zwischen den harten Gesteinsanteilen ausräumen, während es in den
relativ zurückgebliebenen Schollenteilen noch erhalten ist. Beispiele sind:
der Steilanstieg des Zwirenzel, der Sauruck und der Geißriegel. Auch der
Gleißenberg wurde wahrscheinlich sehr jung antithetisch verstellt. Trotz relativ
hoher Reliefenergie ist hier der Verwitterungsschutt der Tertiärzeit noch voll
erhalten.
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Spuren einer Vereisung, wie Gletscherschliffe, Tillite u. ä. wurden nicht
angetroffen. Auf die Kaltzeiten zurückzuführen sind dagegen blättrige, harte
aus Lehm entstandene Gesteine der Hochlagen.
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Gesteinsfolge
...
Hauptanteil der Gesteine stellen metamorphisierte, zu Gneisen umgewandelte,
ehemalige Sedimente, Vulkanite und Magmatite. Die Ausbisse dieser Gneistypen
zeigen ein umlaufendes Streichen mit Zentrum im Bereich des Zwirenzel.
...
Metamorphe Gesteine
Die umgeformten Sedimente, die Paragneise, liegen heute in
Biotit-Cordierit-Sillimanit-Fazies vor. Hauptgemengeteile sind Quarz, Biotit,
Kalifeldspat, Plagioklas, Cordierit und Sillimanit. Muscovit, Chlorit sowie das
Zersetzungsprodukt des Cordierits, der Pinit, sind sekundär gebildet.
So eintönig das Erscheinungsbild dieser Gesteine zunächst sein mag, die
sedimentäre Anlage paust immer durch und erlaubt es, nachfolgend beschriebene
Gneistypen auszuscheiden.
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Graphithaltige Flasergneise,
gnfl
Gneise mit einem flasrigen, linsigen Gefüge sind auf den engeren Bereich des
Zwirenzel beschränkt. Alle weiteren auf dem Blattgebiet festgestellten Gneistypen
laufen mit ihren Schichtausbissen um den Bereich des Zwirenzel herum. Dies gilt
auch für die tektonischen Trennflächen (s-Flächen), wobei diese lokale
Verstellungen deutlicher widerspiegeln als die nach den Gesteinsaufschlüssen
und Lesesteinen kartierten Gneisvorkommen.
Die namengebenden dunklen Flasern und Linsen werden vornehmlich durch niveau-
beständige Biotitanreicherungen gebildet, die stets nach einigen Zentimetern und
Dezimetern in die mittelkörnige, graue quarz- und feldspatführende Gesteinsmatrix
auskeilen, so daß kein Lagenverband entsteht. Da auch die tektonischen Trenn-
flächen nur wenig entwickelt sind, wirkt das Gestein ausgesprochen massig.
Felsfreistellungen neigen zu rundlichen Verwitterungsformen.
...
In den begleitenden, biotitreichen Lagengneisen kommt es am Westhang des
Zwirenzel zu Einschaltungen von leicht kalksilikatischen Quarziten.
Sie können dort periodisch mit den Flasergneisen alternieren. Dabei entsteht ein
hell-dunkles Lagengefüge, wobei die hellen Quarzite nur wenige Zentimeter,
die Flasergneise mächtigere Pakete bis Dezimeter-Mächtigkeit bilden; Kohlweg.
Die kalksilikatischen Grauwacken-Einschaltungen im Flasergneis leiten von diesen
zu den Kalksilikatquarziten über.
...
Die durchschnittliche modale Zusammensetzung der Flasergneise beträgt (in Vol.%)
Quarz 18,6 ±4,3
Kalifeldspat 32,1 ±9,8
Plagioklas 18,1 ±6,5
Biotit 16,8 ±3,5
Granat 1,0 ±0,9
Spinell
0,3
±0,3
Cordierit 7,9 ±3,0
Sillimanit 6,9 ±4,3
Apatit 1,5 ±0,8
Graphit 0,9 ±0,5
Eine graphitreiche Biotit-Schmitze hat die Zusammensetzung (in Vol%)
Plagioklas 1,1
Biotit 30,7
Graphit 68,3
...
Das wahrscheinliche prämetamorphe Ausgangsmaterial der Flasergneise dürften
sandig-tonige, marine Flachwassersedimente mit bereits damals vorgegebener
Flaserschichtung gewesen sein. In Tonlinsen und Tongallen wurde zusätzlich
pflanzliche Substanz eingeschwemmt.
...
Biotitreiche Lagengneise,
bgn
Ihr Erscheinungsbild wird durch den stetigen Wechsel zwischen hellen
Quarz-Feldspatgneisen und dunklen bis schwarzen, biotitreichen Lagen geprägt.
Der daraus resultierende Lagenverband wirkt parallelartig. Die Mächtigkeiten
dunkler Partien sind allgemein höher (Zentimeter- bis Dezimeterbereich) als die
der helleren Bereiche (Millimeter- bis Zentimeterbereich). Die tektonischen
s-Flächen sind mit diesem Lagenbau weitgehend identisch. Lagengneise mit einem
extrem engständigen Materialwechsel bilden innerhalb der Gesteinseinheit eine
Untergruppe. Sie ist vornehmlich auf den Bereich Hoher Stein und Frauenhäusel
konzentriert. Der durch wechselnde Mächtigkeiten ausgezeichnete Untertyp ist
besonders im Niveau der Kalksilikate, Leptynite und Amphibolite, der sogenannten
Bunten Gruppe verbreitet: Kirschbaumriegel und Dachsriegel. Eine gegenseitige
Abgrenzung beider Untergruppen in der Karte ist indessen nicht möglich. Der
Übergang erfolgt fließend.
...
Massige Granatgneise und massige Gneise ohne makroskopisch erkennbaren Granat,
ggn, gnm
Die grau wirkenden Granatgneise unterscheiden sich in einem Merkmal von allen
anderen Gneistypen. Bei gleicher Metamorphose wird bei ihnen so viel Granat
gebildet, daß sie allein vom Augenschein her als eigene Gesteinseinheit
ausscheidbar sind. Sie unterscheiden sich dadurch deutlich von den massigen,
grauen Gneisen, die mit ihnen zwei Merkmale gemeinsam haben:
1) Beide sind massig wirkende Gesteine, Verwitterung bewirkt rundliche Felsformen.
2) Bei beiden neigen die biotitbesetzen s-Flächen dazu, das Gestein nicht
gleichmäßig zu durchsetzen, sondern bilden vielmehr unregelmäßig große
(Zentimeter- bis Meterbereich), gegenseitig verdrehte Pakete ab.
...
Auf diesen hellgrauen, rauen und höckrigen Flächen können bei den Granatgneisen
2 - 5mm große, himbeerfarbene Granate aufsitzen, die offenbar einem älteren
Lagenaufbau folgen. Bei den massigen Gneisen ohne makroskopischen Granat ist
dieser gelegentlich mikroskopisch nachzuweisen.
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Quartäre Sande und Biotitseifen
q,S
Südwestlich von Geigant wurde in der Nähe des Bahnhofs 1936 von Lemke eine sich
in NW-SE Richtung erstreckende Sandlinse auskartiert, allerdings ohne Beschreibung.
Heute lassen sich hier Sande nicht mehr nachweisen, das Gelände wirkt planiert.
Nach Auskunft Geiganter Bürger wurde jedoch früher in diesem Raum Sand zu Bau-
zwecken abgebaut. Es dürfte sich um Sande mit toniger Bindung gehandelt haben. ...
Die Sande und Biotitseifen dürften zusammen mit grauen, fetten Tonen des
Geiganter Raumes Zeugen eines ehemaligen Sees westlich von Geigant darstellen.
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Die Moorvorkommen
...
Prossdorf, Pointwiesen NO LIX 35
Ca. 400m südwestlich Prosdorf, ca. 1,1ha etwa 500, ü. NN.
Kleines, geringmächtiges Quellhangniedermoor, durch Graben und Drän entwässert,
landwirtschaftlich als Wiesen genutzt.

NW Gleßling, NO LIX 37
Ca. 150m nordwestlich Gleßling zwischen Straße und Ulrichsgrüner B. ca 0,25ha
etwa 530m über NN.
Sehr kleines geringmächtiges Niedermoor, in Futterwiesennutzung.

Sinzenweiher, NO LVIII 35
Ca. 400m südwestlich Beckenhöhle zwischen Eisenbahn und westlichem Kartenrand,
ca. 9,65ha etwa 500m ü NN.
Größtes Niedermoorvokommen auf dem Kartenblatt. Vernässungs- und Verlandungsmoor
des ehemaligen Sinzenweiher mit maximaler Mächtigkeit von 2m. Unter den Torfen
lagert meist feinsandiger Ton mit 10-50cm Mächtigkeit, darunter Sand. Der weitaus
größte Teil wird als Wiesen genutzt, im südöstlichen Teil Streuwiesen.
Am nördlichen Ausläufer des Moores ein kleines Anmoor mit 0,4ha Streuwiese.

Nördlich Geigant, NO LVIII 35 und NO LVII 35
Entlang des Friedhof-B. und Geiganter-B. vier kleine, geringmächtige Niedermoor-
sowie ein kleines Anmoorvorkommen, zusammen ca. 1,3ha etwa 520m ü NN, überwiegend
als Futterwiesen genutzt. Vom nördlichsten Moor, beim Durchlaß Geiganter-B. durch
die Straße, ist der westliche Teil fichtenbestockt, der östliche mineralisch
überdeckt und landwirtschaftlich genutzt.

Nordwestlich Geigant, NO LVIII 35 und NO LVII 35
Ca. 1000m nordwestlich Geigant, 300m vom westlichen Blattrand, ca. 0,7ha etwa
500m ü NN.
Anmoor mit Streuwiese, Im S bestockt.

Westlich Geigant, NO LVII 35
Ca. 800m westlich Geigant, westlich Höhenlinie 500, ca. 2,5ha etwa 500m ü NN.
Geringmächtiges Quellniedermoor, im N Streuwiesen, im S Futterwiesen. Zwischen
Geigant und Moorvorkommen drei kleine Anmoore, zusammen 0,65ha mit teils Wiesen-,
teils Streunutzung.

Südwestlich Geigant, Schwarzwiesen, Schwarzgraben NO LV II 35
Entlang des Schwarz-Gr. und Schwarz-B., fünf geringmächtige Quellhangniedermoore
mit einer Gesamtfläche von 4,35ha sowie fünf sehr kleine Anmoorvorkommen mit
einer Gesamtfläche von 0,3ha. Über Gesteinszersatz (Grus) liegt eine gering-
mächtige Schicht feinsandigen Tons, darüber Niedermoortorf mit einer maximalen
Mächtigkeit von 1,2m. Moore und Anmoore teils als Wiesen, teils als Streuwiesen
genutzt.
...
Hydrologischer Überblick
...
Der massive kaum geklüftete Gneis des tieferen Untergrundes wirkt wasserundurch-
lässig und bildet überall die Grundwassersohle. Nach oben hin nehmen Klüftung
und Gesteinsfestigung und damit das Vermögen Grundwasser zu leiten merklich zu.
... Oberflächennah sind die Zersatzdecken weitgehend verwittert, wobei die
grundwasserführenden Partien überall dort, wo die Verlehmung bzw. mächtige Fließ-
erdedecken großflächig ausgeprägt sind, mehr oder weniger stark gegen Oberflächen-
einflüsse abgeschirmt sind. Das Grundwasser selbst bewegt sich annähernd hang-
parallel talwärts zu den Vorflutern. ... In den Talbereichen wurde stellenweise
artesisch gespanntes Grundwasser angetroffen. Die Quellen entspringen in den
unterschiedlichsten Höhenlagen, jedoch immer im Gneiszersatz bzw. Fließerden,
weil der kompakte Fels weitgehend vom Verwitterungsmaterial verhüllt ist.
...
Das Grundwasser ist sehr wenig mineralisiert und demzufolge sehr weich
...
entspricht es den Grundwassertypen "Erdalkalische Süßwässer mit höherem
Alkaligehalt überwiegend sulfatisch" sowie "überwiegend hydrogenkarbonatisch".
...
Die Auelehmdecken und anmoorigen Böden erweisen sich bereichsweise so wenig
wasserdurchlässig, daß das Grundwasser in den Talbereichen örtlich und vielleicht
auch nur zeitweise artesisch gespannt ist. Solche Verhältnisse werden an folgen
Brunnen beobachtet:
Geigant I - Ruhewasserspiegel 0,42m über Gelände (am 10.05.1964)
Waldmünchen III - Ruhewasserspiegel 0,40m über Gelände (am 01.06.1965)
Waldmünchen VB1 - artesischer Überlauf (1952)
Seit die Brunnen im Betrieb sind, wird das Grundwasser im Nahbereich der Förder-
anlage so beansprucht, daß dort der artesische Druck während der Betriebszeiten
abgebaut ist. Darum liegen aus jüngster Zeit keine Messungen vor, die artesisch
gespanntes Grundwasser belegen.
...
Das aus den Brunnen geförderte Wasser weist Abdampfrückstände auf, deren Mengen
kaum voneinander abweichen und im Mittel 100mg/l getragen. Demgegenüber beträgt
der durchschnittliche Abdampfrückstand im Quellwasser nur 56mg/l. Die
Gesamthärten verhalten sich entsprechen ähnlich, nämlich ~2,6° dH in Brunnen
und ~ 1,2 ° dH in Quellen. Die Wässer sind allgemein schwach sauer anzu-
sprechen. Es wurden pH-Werte festgestellt, die sich zwischen 5,7 und 6,8 bewegen.
Der Durchschnittswert beträgt pH 6,2.
...
Im Nahbereich der Brunnen von Geigant wird auch intensiv Landwirtschaft betrieben,
die sich auf das genutzt Grundwasser aufgrund der schwer durchlässigen Böden- bzw.
Gesteinspartien nahe der Geländeoberfläche nicht auswirkt
(Geigant I 14,4 mg/l NO3, Geigant II 3,2 mg/l NO3)
...
Klimatische Verhältnisse
Das Untersuchungsgebiet gehört zum Klimabezirk Oberpfälzer-Bayerischer Wald,
für den relativ kalte Winter und nur mäßig warme Sommer vorherrschend sind.
Die mittlere Januartemperatur beträgt -2 bis -3°C und die mittlere Julitemperatur
macht +15°C auf den Höhen und +17°C in den Talbereichen aus.
Die mittlere wirkliche Lufttemperatur beträgt +6 bis +8°C. Die mittlere jährliche
Temperaturschwankung macht 18,5 bis 19°C aus.
Das Gebiet um Waldmünchen-Untergrafenried, an den westlichen Hängen des
Böhmer-Waldes gelegen, ist relativ niederschlagsreich. Die Niederschlagsmengen
liegen jedoch um ~ 45% niedriger als im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald.
Im einzelnen gelten für das Gebiet folgende durchschnittliche Niederschlagswerte:
Der Gebietsniederschlag (1931/60) liegt bei 822mm, während die Gebietsverdunstung
mit 529mm angegeben wird. Im Trockenjahr 1947 fielen nur 569mm Niederschlag,
im Naßjahr 1966 dagegen 1101mm. Die Gebietsniederschläge betragen im Winterhalb-
jahr nur ~ 41%.

Die durchschnittlichen Monatsniederschläge betragen in % und in mm

Nov. 6,5 53,4
Dez. 7,2 59,2
Jan. 7,8 64,1
Feb. 7,2 59,1
März 5,6 46,0
April 6,6 54,3
Mai 8,6 70,7
Juni 11,2 92,1
Juli 13,9 114,3
Aug. 10,2 83,8
Sept. 7,7 63,3
Okt. 7,5 61,6


Geologische Karte von Bayern
1:25.000
Erläuterungen zum
Blatt Nr.6542 Untergrafenried
und zum
Blatt Nr. 6642 Waldmünchen
von Hubert Mielke
mit Beiträgen von
Rolf Apel (Hydrologie)
Kurt Bader (Geophysik)
Friedrich Hartel (Ingenieuergeologie)
Max Schuch und Willi Meindl (Moorvorkommen)
Karl Auerswald (Die Böden)
Mit 30 Abbildungen, 10 Tabellen und 3 Beiträgen
München 1990
Herausgeber und Verlag: Bayerisches Geologisches Landesamt
Heßstraße 128, D-8000 München 40
Redaktion: Klaus Doben
ISSN 0930-7060